Wer ist Fräulein Cat?

Fräulein Cat war eine reale Katze.
Sensibel bis ins Mark.

Finie, so ihr wahrer Name, lebte viele Jahre an meiner Seite und gab mir Kraft inmitten meiner Immuninstabilität. Egal, wie oft oder wie stark das Leben schwer wurde, sie trug es mit.
Im Februar starb sie an Symptomen, die niemand erklären konnte.

Ich möchte erzählen.


Finie war keine Katze. Sie war meine Familie.
Als meine Tochter sie einst fand und zu mir brachte, war sie voller Angst. Es dauerte lange, bis ich sie berühren durfte. Doch als sie mir vertraute, entstand eine Nähe, wie ich sie zuvor nie erlebt hatte. Sie vermutlich auch nicht.

Sie kam voller Krankheiten und Parasiten zu mir. Ihre Zähne waren bis zum Fleisch verfault. Irgendjemandem muss diese kleine Seele zu viel geworden sein. Sie war nicht einfach weggelaufen. Diese Katze wurde ausgesetzt. Vermutlich, weil sie krank war und die Kosten zu hoch wurden.

Wochenlang fürchtete sie sich vor der offenen Balkontür. Wochenlang konnte sie nicht nach draußen treten, ohne Angst vor Autos und Menschen. Ich fragte mich oft, was dieses Tier alles erleben und ertragen musste. Sie war abgemagert. Wahrscheinlich war sie lange draußen unterwegs. Und wenn sie zuvor eine Wohnungskatze gewesen war, muss sie bitter gefroren haben.

Doch als alle Behandlungen und Operationen vorbei waren, begann unsere gemeinsame Zeit als Dream-Duo. Jeden Abend gab es als Krönung des Tages frisch zubereitetes, ungewürztes Hühnchen. Wir spielten, tobten und kuschelten. Jeden Tag, Jahr für Jahr.

Abends konnten wir nur schwer alleine einschlafen. Sie kam zu mir, legte sich an meine Brust und ich legte eine Hand auf ihren Bauch. Erst dann wurde unser Atem ruhiger und wir glitten gemeinsam in den Schlaf.

Ich bin berentet. Sie war so gut wie nie alleine. Wir hatten nur uns, und das war genug.
Bis 2022 durch Zufall Trixi zu uns kam.


2024 wurde Finie krank.
Zuerst begann sie, sich extrem zu lecken. Sie verlor Fell und war an manchen Stellen kahl. Ich ging sofort zum Tierarzt, doch man fand nichts. Das Lecken ließ irgendwann nach und ich war erleichtert. Doch dann kamen Erbrechen und Durchfall. Die Medikamente halfen nur vorübergehend.

Es folgten viele Untersuchungen.
Und noch immer fand man nichts.

Ich bekam Schuldgefühle. Denn ich war selbst schwer krank. Das Medikament Enbrel hatte 2024 mein Immunsystem vollständig aus dem Gleichgewicht gebracht. Ich bekam Infekte, einen nach dem anderen. Neben SAPHO-CRMO und RA leide ich auch an COPD und so folgte eine nie dagewesene Exazerbation. Nachts konnte ich kaum noch schlafen und wenn, dann nur sitzend. Hinlegen war auf Grund der Atemnot und Hustenanfälle nicht möglich. Tags war ich erschöpft. Wochen und Monate ging das so.

Finie und ich waren eng verbunden. Tiere spüren, wenn der Mensch, den sie lieben, leidet. Auch wenn sie oft bei mir lag und wir viel kuschelten, fehlte das Toben und das Spielen. Und ihr tägliches Hühnchen konnte ich irgendwann nicht mehr zubereiten.

Manchmal saß sie oben auf dem Schrank und beobachtete mich. Sie sah mich an, ununterbrochen. Und in genau dieser Zeit wurden ihre Symptome stärker.


Noch heute trage ich Schuldgefühle in mir. Finie wurde nicht krank, weil sie sich vernachlässigt gefühlt hätte. Wir hatten nach wie vor viel Körperkontakt. Aber sie hat mit mir mitgelitten. Davon bin ich überzeugt.

Katzen sind längst nicht so erforscht wie Hunde, aber ich glaube fest daran, dass auch sie tiefe Bindungen eingehen können. Sie sind nicht die distanzierten Wesen, als die sie oft dargestellt werden. Sie fühlen mit. Sie trauern mit. Sie verbinden sich.

Natürlich gibt es auch andere mögliche Gründe für ihre Symptome. Vielleicht irgendeine Multisystemerkrankung, die man in klassischen Blutwerten und Bildern nicht erkennt. Dazu kommt, dass Katzen nicht schnell abnehmen dürfen. Wenn der Körper zu rasch Fett abbaut, lagert es sich in der Leber ein. Die Leber verfettet, vergrößert sich, versagt. Giftstoffe werden nicht mehr abgebaut. Übelkeit steigt. Die Katze frisst weniger. Eine Spirale.

Bald kam Lethargie hinzu. Nun war ich diejenige, die sie pausenlos beobachtete. Und ich weinte. Es waren Angst und Ohnmacht zugleich.

Im Februar 2025 war spürbar, dass sie sich auf den Sterbeweg machte. Sie wog nur noch die Hälfte ihres ursprünglichen Gewichts. Ihr Körper konnte nicht mehr.

Die letzte Nacht mit Finie war ein Trauma.
Mir wurde meine Seelenkatze entrissen.

Dieses Trauma zeigte sich monatelang in meiner Trauer. Jedes Mal, wenn ich an sie dachte, brach ich zusammen. Ich weinte so heftig, dass ich nach Luft ringen musste. Selbst als es mir körperlich wieder besser ging, blieb das Weinen hart und schneidend. Es war ein Keuchen, ein Ringen, ein lautloses Schreien.

Noch heute, nach elf Monaten, kämpfe ich mit der Trauer. Das Weinen ist nicht mehr so erstickend, aber der Gedanke an dieses Wesen, an meine Finie, raubt mir noch immer den Verstand.


Finie ist und bleibt an meiner Seite.
Egal, was ich tue, egal, wo ich bin:
Sie ist da und hier. Immer.


Zusatz:

Am 25.11.2025 musste ich nun auch Trixi − meine zweite Katze − loslassen.

  • kardiale Neoplasie → großer Tumor → Druck auf Herz/Lunge
  • Bandscheibenverlust → Nervenschmerz
  • schlechte Lungenfunktion

Dafür gibt es einen neuen Bericht, den ich hier verlinken werde

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