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	<title>Pro Ana Archive - Analytische Kritik</title>
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	<title>Pro Ana Archive - Analytische Kritik</title>
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		<title>Pro Ana und Jugendschutz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Dec 2023 13:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Ana]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die deutsche Politik bzw. der deutsche Jugendschutz beschäftigen sich seit Jahren mit dem Problemfeld Pro Ana. So verlinkt z.B. eine Broschüre des Familienministeriums hierzu Anlaufstellen und Hilfemöglichkeiten. Die Webseite Jugendschutz.net ist federführend in der Aufklärung und warnt u.a. vor einem „lebensgefährlichen „Wir-Gefühl“, das von Therapien abhält, zur Geheimhaltung animiert und immer weiter in den Strudel der Krankheit treibt.“ Bereits im Jahr 2009, also zur Hochblüte der deutschen Pro Ana Webforen, hat die 1997 gegründete Einrichtung Jugendschutz.net in einer Bundestags-Anhörung im Ausschuss für Familie, Frauen, Senioren und Jugend auf das Problem aufmerksam gemacht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/pro-ana-und-jugendschutz/">Pro Ana und Jugendschutz</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Pro Ana und Jugendschutz</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die deutsche Politik bzw. der deutsche Jugendschutz beschäftigen sich seit Jahren mit dem Problemfeld Pro Ana. So verlinkt z.B. eine <a href="https://www.bmfsfj.de/resource/blob/93692/96f2606252083cf6c5017bd9673ae466/essstoerungen-ratgeber-pdf-data.pdf">Broschüre des Familienministeriums</a> hierzu Anlaufstellen und Hilfemöglichkeiten. Die Webseite <a href="https://www.jugendschutz.net/themen/selbstgefaehrdung/artikel/essstoerungen-online">Jugendschutz.net</a> ist federführend in der Aufklärung und warnt u.a. vor einem<em> „lebensgefährlichen „Wir-Gefühl“, das von Therapien abhält, zur Geheimhaltung animiert und immer weiter in den Strudel der Krankheit treibt.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Bereits im Jahr 2009, also zur Hochblüte der deutschen Pro Ana Webforen, hat die 1997 gegründete Einrichtung Jugendschutz.net <a href="https://webarchiv.bundestag.de/archive/2009/0605/ausschuesse/a13/anhoerungen/anhoerung19/stellungnahmen/459a_16_13_rauchfuss.pdf">in einer Bundestags-Anhörung im Ausschuss für Familie, Frauen, Senioren und Jugend</a> auf das Problem aufmerksam gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die in dieser Stellungnahme präsentierten Zahlen sind erschreckend hoch: Seit 2006 wurden vom Jugendschutz über 670 Pro-Ana-Angebote recherchiert, bei 8 von 10 bestand dringender Handlungsbedarf (Stand: 2009). Durch Beanstandungen bei den Seitenbetreibern bzw. Anbietern von kommunikativen Diensten konnten Maßnahmen gegen die Ausbreitung dieser Webseiten ergriffen werden – mit einer Erfolgsquote von über 80 Prozent. Parallel zur Löschung der Seiten wurde eine Platzhalterseite namens <a href="http://www.anaundmia.de/">http://www.anaundmia.de</a> erstellt, die Links zu Hilfestellen enthielt, welche Provider anstatt des gesperrten Angebots bereithalten konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein weiterer Erfolg im Kampf gegen die deutsche Pro Ana Szene war die Indizierung eines Pro Ana Blogs bei blogspot im selben Jahr 2009. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdenden Medien (BPjM) setzte eine bei Google gehosteten Seite, die in Folge offline genommen wurde, <a href="https://doerre.com/jugendschutz/20081204_bpjm_index.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf den Index</a>. Autorin war eine minderjährige Bloggerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Rechtliche Vorgehensweise</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die Prüfung, ob diese Inhalte jugendgefährdend im Sinne des §18 JuSchG sind, erfolgt u.a. auch am Maßstab der Grundwerte der Verfassung, insbesondere Art. 1 Abs. 1 GG und Art. 6 Abs. 2 GG.131. Von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird eine Jugendgefährdung dann angenommen, wenn Medien dazu auffordern, sich oder anderen Menschen (schwere) körperliche Schäden zuzufügen, oder ein Verhalten verherrlicht bzw. verharmlost wird, das zu körperlichen Schäden führen kann. Eine Indizierung ist möglich, wenn es sich um jugendgefährdende Inhalte handelt; die Rechtsfolgen ergeben sich nach Landesrecht (Jugendmedienschutz-Staatsvertag). Sofern jugendgefährdende Inhalte vorliegen, dürfen diese nicht mehr durch Anbieter verbreitet oder sonst zugänglich gemacht werden. Falls die Einstufung als jugendgefährdend nicht erfüllt ist, ist auch eine Deklaration als &#8222;entwicklungsbeeinträchtigend&#8220; gem. §5 JMStV möglich, worunter zum Beispiel Inhalte fallen, die auf der Beibehaltung der Krankheit fokussieren und therapeutische Hilfe ablehnen &#8211; was in Pro Ana-Webforen zumeist der Fall ist. Rechtlich käme in diesem Fall eine Altersregelung oder Labeling seitens des Anbieters in Betracht. (vgl. <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/410180/742999c19d5bc36ddcc498d924c928c4/WD-10-049-15-pdf-data.pdf">Bundestag, 2015</a>, S. 30 ff.)</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Im Anlassfall der Pro Ana-Webseite der minderjährigen Betroffenen von 2009 kam es in Folge zur Abwägung der verfassungsrechtlichen Rechtsgüter Kunstfreiheit (inklusive Meinungsfreiheit) gegenüber dem ebenfalls im Verfassungsrang stehenden Jugendschutz, wobei die Behörde letzterem den Vorrang einräumte. <a href="https://doerre.com/jugendschutz/20081204_bpjm_index.pdf">In der Begründung des Indizierungsantrags wurde detailliert angeführt</a>, warum diese Webseite gemäß §18 (1) JuSchG dazu geeignet war, <em>&#8222;die Entwicklung von Kinder und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden&#8220;</em>. In Folge wurde deren Inhalt als &#8222;<em>mindestens jugendgefährdend</em>&#8220; eingestuft: <em>&#8222;Die Indizierung hatte deshalb zu erfolgen, weil Kinder und Jugendliche durch das beanstandete Internet-Angebot zu einem Verhalten aufgefordert werden, mit dem sie sich selbst schwerste und lebensbedrohende Schänden zufügen.&#8220; </em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wenige Jahre später, 2015, erschien eine <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/410180/742999c19d5bc36ddcc498d924c928c4/WD-10-049-15-pdf-data.pdf">umfangreiche Ausarbeitung des Bundestags zum Thema Magermodels in den Medien und der Möglichkeit staatlicher Einflussnahme</a>. In diesem rechtlichen Gutachten ging es neben der Problematik der Abbildungen von Magermodels um die staatlichen Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der Jugendschutz Gesetze. Im Kapitel 7 (Seite 28 ff.) wird direkt auf Pro Ana Seiten eingegangen und einige Charakteristika von Foren und Webseiten aufgezählt, die jugendschutzrechtliche Bedenken gem. §§4, 5 JMStV auslösen: &#8222;Anas Brief&#8220; mit der Personifizierung von Ana als &#8222;Freundin&#8220;, Thinspiration-Bilder, Tipps und Tricks zur Gewichtsreduktion und Geheimhaltung, feste Regeln und Gebote an Verhaltensweisen, Glaubensbekenntnisse und Psalmen, die die Krankheit zelebrieren sowie Motivations- und &#8222;Thinlines&#8220; zum Ansporn.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein generelles Verbot sämtlicher Pro Ana-Inhalte ist jedoch nach Ansicht der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nicht möglich, denn diese sind sehr unterschiedlich in ihrem Angebot. Zudem müssen diese in Einzelfallprüfungen den genannten Grundrechte gegenübergestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Internationale Regelungen im Kampf gegen Pro Ana</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Von der deutschen Regelung unterscheidet sich die Herangehensweise in <strong>Frankreich</strong> maßgeblich: Dort wurde bereits 2008 ein <a href="https://www.reuters.com/article/idUSL15786858/">Gesetz vorbereitet</a>, das „Anstiftung zur Magersucht“ der Anstiftung zum Suizid gleichstellte und unter Geld- oder Haftstrafe stellt &#8211; mit dementsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen. Dazu waren mehrere Gesetzesanläufe notwendig bis im <a href="https://www.assemblee-nationale.fr/14/amendements/2673/AN/1052.asp">Jahr 2015 die französische Nationalversammlung</a> einer derartigen Gesetzesänderung (parallel zu einer Initiative gegen Magermodels in der Modebranche) zustimmte: Betreiber von Pro Ana Webseiten traf nun eine bis zu einjährige Haftstrafte bzw. Geldbußen im Ausmaß von 10.000 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Diese normative Lösung wäre jedoch nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar, führt das Rechtsgutachten des Bundestags aus: <em>&#8222;Für Anstiftung im Sinne des deutschen Strafgesetzbuches ist eine rechtswidrige Haupttat nötig (vgl. § 26 StGB). Magersucht oder andere Essstörungen stellen keine rechtswidrige, notwendig<br>tatbestandsmäßige Haupttat im Sinne des §26 StGB dar, sie sind als eigenverantwortliche Selbstgefährdung dem Schutz des Art. 2 Abs. 1 S. 1 GG unterworfen. Auch eine Anlehnung wie beim  französischen Vorhaben an eine Anstiftung zum Selbstmord läuft fehl, da eine solche Strafbarkeit im deutschen Recht nicht vorgesehen ist. In Betracht käme die Erarbeitung eines neuen oder ergänzenden Straftatbestands, angelehnt an die Formulierung des §131 StGB, der gewaltverherrlichende oder verharmlosende Darstellungen unter Strafe stellt.&#8220; </em>(<a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/410180/742999c19d5bc36ddcc498d924c928c4/WD-10-049-15-pdf-data.pdf">Bundestag, 2015</a>, S. 34 f.)</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Es bedarf zudem, wie erwähnt, einer Abwägung mit den grundgesetzlichen Freiheitsrechte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch in anderen Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden oder Israel gab es zeitgleich ähnliche Initiativen, die sich einerseits gegen die Modeindustrie wandten, die dortige Einführung eines Mindest-BMIs sowie die Kennzeichnung retuschierter Modefotos forderten, und andererseits gegen Pro Ana Seiten. Im Folgenden nur einige Beispiele, die internationale Vorgehensweisen im Kampf gegen essstörungsverherrlichende Inhalte zeigen:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In <strong>Italien</strong> gab (und gibt) es parallel zu den Bemühungen in Frankreich ebenfalls seit dem Jahr 2008 Kampagnen und <a href="https://documenti.camera.it/_dati/leg16/lavori/schedela/apriTelecomando_wai.asp?codice=16PDL0021910">ähnliche Gesetzesiniviativen</a>, um den <em><a href="https://portale.fnomceo.it/wp-content/uploads/2018/09/Disturbi-del-comportamento-alimentare-11.09.18.pdf">Artikel 580-bis</a></em> über die Strafbarkeit der Anstiftung zur Anorexie ins italienische Strafgesetzbuch einzuführen. Aktuell &#8211; <a href="https://www.ilmattino.it/primopiano/sanita/anoressia_disturbi_alimentari_reato_istigazione_stretta_meloni-7313880.html">im Jahr 2023</a> &#8211; wurde über eine Bußgeldhöhe von 150.000 Euro und bis zu vierjährigen Freiheitsstrafen in besonders schweren Fällen (wenn das Opfer z.B. unter 14 Jahren ist) <a href="https://www.giustizia.it/giustizia/it/mg_2_5_12_1.page?contentId=GLM1144726">diskutiert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die <strong>Schweiz</strong> hat Pro Ana-Inhalte nicht unter ein generelles Verbot gestellt, wie <a href="https://grosserrat.bs.ch/dokumente/100389/000000389347.pdf">in einer Interpellation an den Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt</a> beschrieben wird. In der Anfragebeantwortung heißt es zur Diskussion zu einem Verbot von Pro-Ana-Seiten: <em>&#8222;Ein gesetzliches Verbot müsste jedoch auf eidgenössischer Ebene erlassen werden, da sich eine kantonale Verbotsnorm nur auf Kantonsgebiet verfolgen liesse. Wie weit ein solches Verbot jedoch geeignet wäre, einer Verherrlichung der Magersucht entgegenzuwirken, ist allerdings sehr fraglich, insbesondere weil viele der genutzten Plattformen nicht in der Schweiz gehostet werden. Weiter dürfte es sehr schwierig sein, entsprechende Anstifterinnen oder Anstifter aus den Foren zu ermitteln und strafrechtlich zu belangen, gerade wenn diese aus dem Ausland operieren und dieses Land kein Verbot kennt.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch in <strong>Österreich</strong> ist die Situation ähnlich, wie das <a href="https://datum.at/zu-wenig-zum-leben/">Magazin Datum im Jahr 2019 zusammenfasst</a> und eine Kinderrechtsexpertin zitiert: Demgemäß gibt es keine generelle Rechtsgrundlage zur Löschung von entsprechenden Inhalten, unter Umständen könnten Inhalte nach dem Jugendschutzgesetz des jeweiligen Bundeslandes als jugendgefährdend eingestuft werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In <strong>Spanien</strong> kam es auch zu <a href="https://www.thetimes.co.uk/article/spain-takes-lead-in-closing-down-the-websites-that-tell-girls-its-good-to-be-anorexic-3xg28n702k6">frühen Bemühungen gegen Pro Ana</a>, so setzte z.B. die spanische Kinderschutzorganisation Protegeles auf die freiwillige Selbstbindung der Provider. Die Organisation traf in den frühen 2000er Jahren bereits mit mehreren Providern entsprechende Vereinbarungen und hat zudem Infohotlines eingerichtet, an einer <a href="https://riull.ull.es/xmlui/bitstream/handle/915/5309/APOLOGIA%20DE%20LA%20ANOREXIA%20Y%20LA%20BULIMIA%20EN%20INTERNET.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y">Studie</a> über die Gefahren von Pro Ana mitgewirkt und eine Ersatzseite anstelle von Pro Ana-Angeboten https://www.anaymia.com/ eingerichtet. Diese ist allerdings gegenwärtig nicht mehr erreichbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In den <strong>USA</strong> wurden ab 2001 von der Suchmaschine Yahoo sukzessive Pro Ana Inhalte entfernt, diesem Bestreben folgten danach u.a. MySpace und MSN sowie Ebay, das Pro Ana Produkte von der Liste der erlaubten Produkte strich. </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Neue Herausforderungen und Problemfelder für Behörden, Jugendschützer und Beratungsstellen weltweit ergeben sich insbesondere in den sozialen Medien, gegenwärtig vor allem in von außen nicht kontrollierbaren <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/whatsapp-gefahr-pro-ana-gruppen-coaches/">WhatsApp Gruppen</a> oder auf der <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/">Plattform TikTok</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/pro-ana-und-jugendschutz/">Pro Ana und Jugendschutz</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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		<title>Die sektenhaften Strukturen der Pro Ana-Szene</title>
		<link>https://analytische-kritik.de/alle/die-sektenhaften-strukturen-der-pro-ana-szene/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Nov 2023 13:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Ana]]></category>
		<category><![CDATA[Sekten]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Zwar gibt es bei der Pro Ana Bewegung keine einzelne autoritäre Führungsfigur, jedoch treten in den meisten Foren (bzw. heutzutage WhatsApp Gruppen) die Admins durchaus mehr oder weniger dominant auf. Insbesondere die alten Pro Ana Webforen waren in der Regel hierarchisch gegliedert, da es eine klare Rangordnungen der User als Probemitglied, Neumitglied, Familymitglied bzw. Moderator und schließlich Admin gab. Entsprechend dieser Abstufungen hatten die Mitglieder Zutritt zu speziellen Unterbereichen des Forums, die z.B. nur Family-Mitgliedern vorbehalten waren, also jenen Userinnen, die bereits länger dabei waren und sich am Forenleben aktiv beteiligten.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/die-sektenhaften-strukturen-der-pro-ana-szene/">Die sektenhaften Strukturen der Pro Ana-Szene</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die sektenhaften Strukturen der Pro Ana-Szene</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein Bericht des Oxforder „<em>Social Issues Research Center</em>“ aus dem Jahr 2002 zitiert die Selbstbeschreibung der nicht mehr existierenden Webseite namens „<em>Ana&#8217;s underground grotto</em>“ folgendermaßen: „<em>This is a gathering point for sentient individuals who are working to cause changes to occur in body in conformity to will. There are no victims here… This is not a place for the faint-hearted, weak, hysterical, or those looking to be rescued. (…)“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Dieser kurze Absatz lässt bereits deutlich das Elitendenken einiger Webseiten der Pro Ana-Szene erkennen, die sich selbst als überaus selbstbestimmt sehen und sich zum Beispiel gegen Schwäche oder Opfermentalität aussprechen. Genau das ist ein Symptom der Krankheit (Kontrolle, Macht, Beherrschung), das innerhalb der Szene entsprechend auch ausgelebt wird. Mit der Fokussierung auf Perfektion kommen diese Gedanken dem diesbezüglich üblichen Streben von Magersüchtigen entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wie u.a. diese Abgrenzungen von „wir“ gegen „die anderen“ (in diesem Fall: die Menschen, die nach Ansicht der Pro Ana Anhängerinnen zu „schwach“ wären, um zu hungern) mit sektenartigen Strukturen zusammenhängt, erläutert der folgende Artikel auf Basis einiger typischen Kennzeichen einer Sekte. Die <a href="https://www.infosekta.ch/was-ist-eine-sekte/sektenmerkmale/">Schweizer Sektenberatungsstelle listet dazu folgende Merkmale auf</a>: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li style="font-size:18px">Hierarchische Struktur</li>



<li style="font-size:18px">Autoritäre Führung</li>



<li style="font-size:18px">Abgrenzung der Gruppe nach außen</li>



<li style="font-size:18px">Leistungen für die Gruppe</li>



<li style="font-size:18px">Klares Menschenbild und Schwarz-Weiß Denken</li>



<li style="font-size:18px">Absolutheitsanspruch</li>



<li style="font-size:18px">Erlösungs- oder Heilsversprechen</li>



<li style="font-size:18px">Elitebewusstsein</li>



<li style="font-size:18px">Endzeiterwartung</li>



<li style="font-size:18px">Keine offene Informationspolitik nach außen</li>



<li style="font-size:18px">Selektive Informationspolitik nach innen</li>



<li style="font-size:18px">Umgang mit Kritik / Kritikverbot innerhalb der Gruppe</li>



<li style="font-size:18px">Milieukontrolle – Überwachung aller Lebensbereiche</li>



<li style="font-size:18px">Rücksichtslose Methoden in Anwerbung, Indoktrination, …</li>



<li style="font-size:18px">Gedanken- und Gefühlskontrolle durch Erzeugung von schlechten Gewissen und Angst</li>
</ul>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Zwar gibt es bei der Pro Ana Bewegung keine einzelne autoritäre Führungsfigur, jedoch treten in den meisten Foren (bzw. heutzutage WhatsApp Gruppen) die Admins durchaus mehr oder weniger dominant auf. Insbesondere die alten Pro Ana Webforen waren in der Regel hierarchisch gegliedert, da es eine klare Rangordnungen der User als Probemitglied, Neumitglied, Familymitglied bzw. Moderator und schließlich Admin gab. Entsprechend dieser Abstufungen hatten die Mitglieder Zutritt zu speziellen Unterbereichen des Forums, die z.B. nur Family-Mitgliedern vorbehalten waren, also jenen Userinnen, die bereits länger dabei waren und sich am Forenleben aktiv beteiligten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Eine Pro Ana Gruppe ist – damals wie heute – streng nach außen abgegrenzt, zumeist besagt eine Gruppenregel, dass keinesfalls Außenstehenden über das Forum erzählt werden darf, insbesondere gegenüber Therapeuten oder Erziehungsberechtigten soll geschwiegen werden. Geheimhaltung gilt oft als das oberste Gebot und korrespondiert auch mit dem zumeist heimlichen Agieren von Esssgestörten, die ihre Sucht im Allgemeinen zu verbergen versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Dass bei vielen Betroffenen ein klares Elitendenken vorherrscht, wurde bereits zu Beginn des Artikels gezeigt. Dieses Denken kann extreme, ja sogar menschenverachtende Züge annehmen, wenn z.B. als „Fatspo“ (= das Gegenteil von „Thinspiration/Thinspo“, also den üblichen Triggerbildern von sehr dünnen Models oder anderen Magersüchtigen, die zwecks Ansporn verschickt bzw. gepostet werden) Bilder von adipösen Menschen mit dementsprechend abwertenden Kommentaren gepostet bzw. Tipps gegeben werden, sich ein solches Anti-Triggerbild an den Kühlschrank zu kleben. Hier ein Beispiel für entsprechende Kommentare:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-palette-color-7-background-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:18px"><em>&#8222;Das sind ihre schweinischen Artgenossen, pure MASSE. Groß wie ein Berg in ihren unförmigen Kleidern&#8220;&#8230;  </em></p>
<cite>Quelle: Private Pro Ana Webseite aus dem Jahr 2005. (Inzwischen ist die Seite gelöscht worden, wir würden aber auch keine entsprechenden Verlinkungen tätigen.)</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Mit diesen Abwertungen projizieren sie ihr Denken und Fühlen auf andere Menschen, was sich eigentlich auf die eigene Person bezieht, wenn sie u.a. zu viel gegessen haben. Hier ein Auszug aus einem privaten Pro Ana Tagebuch einer Webseite aus 2004:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-palette-color-7-background-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:18px">&#8222;<em><strong>24. Mai 1999</strong> Ich bin ein fetter Troll. Ich war die ganze Woche so brav, weil ich die ganze Woche <mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color">xxx</mark> genommen hatte. Aber heute esse ich natürlich zu viel. Ich kann nicht einmal kotzen, weil ich zu erschöpft bin. Ich bin dazu verdammt, einen Tag lang wie ein aufgeblähter Wal zu sein.&#8220; </em></p>
<cite>Privates Tagebuch &#8211; mittlerweile gelöscht (Der Name eines Medikaments wurde mit <mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color">xxx</mark> ersetzt).</cite></blockquote>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Begleitend zum Elitendenken herrscht bei den meisten Pro Ana Anhängerinnen eine mehr oder weniger ausgeprägte fehlende Krankheitseinsicht. Das Krankheitsbild von Essstörungen wird zwar nicht per se abgestritten, jedoch wird in den meisten Fällen für sich selbst negiert, daran zu leiden. Dazu passt der in der Szene oft gehörte Slogan „<em>anorexia is a lifestyle, not a disease</em>“. Dieser verkennt und pervertiert ganz bewusst die Gefährlichkeit von Magersucht, also der psychischen Erkrankung mit der höchsten Mortalitätsrate. Eine Pro Ana Gruppe – insbesondere in deren Anfangszeit – wandte sich klar gegen Therapie, da die Essstörung sehr oft als Lifestyle glorifiziert und demgemäß das ihr innewohnende Gefährdungspotenzial völlig ignoriert wurde. Dies kann neben einem Absolutheitsanspruch durchaus auch als Heilsversprechen im weiteren Sinne interpretiert werden, da indirekt vermittelt wurde, innerhalb der Gruppe über immer stärkere, individuelle Gewichtskontrolle die allgemeinen Probleme und Schwierigkeiten im Leben lösen zu können. Dazu gab es einen Austausch an Tipps, die von banalen Abnehm-Tricks bis hin zu extrem gefährlichen Ratschlägen reichten, wie bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, Aufputschmittel und Amphetamine zweckentfremdet zum Abnehmen missbraucht werden könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Kritikverbote per se waren in den meisten Fällen nicht an der Tagesordnung, jedoch bestimmte die Admiss, wer aus dem Forum hinausgeworfen wurde, was meist aufgrund von geringer Onlinebeteiligung der Fall war. In manchen Foren wurde eine Mindestanzahl an Beiträgen pro Woche erwartet.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In manchen Foren/Gruppen mussten wöchentliche (bzw. seltener auch tägliche) Waagebilder geschickt werden bzw. Körperbilder in Unterwäsche. Es gab starken Gruppendruck in Form von BMI-Rankings und wer das definierte Abnehmziel – das sich in Extremfällen in Größenordnungen bis zu mehreren Kilos die Woche bewegte – nicht einhielt, wurde verwarnt und schließlich aus der Gruppe geworfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Rücksichtslose Methoden in der Anwerbung, ein weiteres Kennzeichen einer Sekte, können insofern verortet werden, als dass insbesondere heutzutage immer noch auf einschlägigen Plattformen gezielt nach Mitgliedern für WhatsApp Gruppen geworben wird, teilweise mit sehr niedrigen Altersgrenzen ab 12 oder 14 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die früheren Webforen enthielten in den allermeisten Fällen eine Art „Disclaimer“, wo festgehalten war, dass Interessierte, die um eine Aufnahme ersuchten, bereits eine Essstörung haben mussten, um aufgenommen zu werden. Dazu musste meist ein kurzer Steckbrief ausgefüllt bzw. ein kleines „Motivationsschreiben“ für den Beitritt verfasst werden. Dies ist einerseits Ausdruck des bereits genannten Elitendenken, um keine „<em>Wannabes</em>“ &#8211; bzw. im Jargon der Ana-Community „<em>Wannarexics</em>“ &#8211; in die Gruppe zu lassen und „unter sich“ zu bleiben. Andererseits kann es auch die &#8211; jedoch meist nur halbherzig praktizierte &#8211; Überzeugung darstellen, niemanden in eine Essstörung hineinziehen zu wollen, der nichts bereits drinnen steckte. Es zeigt auch die gewisse Ambivalenz, welche sich in das Elitendenken mischte, über eine bei manchen Anhängerinnen (zeitweilig) vorhandene Krankheitseinsicht, die jedoch meist rasch wieder schwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Alles in allem können auf Basis dieser Argumentation zumindest 9 von 15 Punkten, welche Charakteristika einer Sekte beschreiben, als erfüllt angesehen werden bzw. es kann von sektenhaften Strukturen der Pro Ana Bewegung gesprochen werden.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Abseits dieser Sektencheckliste darf jedoch ein Aspekt nicht untergehen: Würde ein Pro Ana-Foren bzw. eine derartige WhatsApp Gruppe nur Nachteile bieten, hätten diese wohl kaum den Zulauf unter esssgestörten Jugendlichen, den sie haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Mit einer Essstörung geht sehr oft eine große soziale Isolation einher, sodass sich Betroffene von ihrem Umfeld nicht verstanden fühlen. Im Internetzeitalter ist hier nun der Austausch mit anderen Betroffenen via Netz verlockend, sodass diese nur allzu leicht auf Pro Ana Seiten landen. Dort wird Gemeinschaftsgefühl und Zugehörigkeit geboten, was ansonsten für viele nur schwer erreichbar ist. Die Essstörung ist das gemeinsame Thema der Gruppe, jedoch wird auch über alle anderen Bereich des Lebens offen diskutiert. Für viele Betroffene ist dies das erste Mal, dass sie &#8222;frei Schnauze&#8220; über all ihre Probleme sprechen und sichergehen können, Verständnis zu ernten. Verbindendes Element der Gruppe bleibt der gemeinsame Fokus auf das Abnehmen als vermeintliche Problemlösungsstrategie sowie das ungeschriebene Gesetz in Ana-Gruppen über eine bedingungslose Wertschätzung. Dies kann bis zu permanentem „Love Bombing“ (auch ein Kennzeichen von Sekten) gehen, wobei dieser Mechanismus nicht bewusst forciert wird, sondern sich aus den gruppendynamischen Strukturen ergibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Der Absprung aus derartigen Gruppen kann sehr schwer sein, weil damit auch der Verlust sämtlicher dort geknüpfter Freundschaften einher geht, welche mitunter so tief sind, dass sich sogar beste Freundinnen in der Szene finden, deren Kontakt sich bis ins reale Leben zieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Aus diesen genannten Gründen ist oft eine nachhaltige Loslösung von den sektenhaften Strukturen der Pro Ana Szene sehr schwer und die Betroffenen erleben immer wieder Rückfälle, auch nachdem sie sich bereits in Therapie befinden. Hier gilt es Ersatzangebote zu schaffen und die emotionale Lücke zu füllen, die ein derartiger Ausstieg mit sich bringt. Diesen Ersatz versuchten Ex-Pro Ana Foren, wie es sie in der Hochblüte der Webforen auch im deutschen Raum gab, zu füllen. Diese Foren wurden von ehemaligen Anhängerinnen der Pro Ana Szene geleitet und wandten sich bewusst an andere Aussteigerinnen. Mit den sozialen Medien ist auf Instagram eine große Recovery-Szene entstanden. Warum diese betroffenengeführten Recovery-Accounts samt dazugehöriger Bubble jedoch auch nicht ungefährlich sind, da sie allzu zu oft &#8222;leichte Genesung&#8220; versprechen, wenn man nur das Essverhalten anpasse und sich gesund &#8211; meist mit Lightprodukten &#8211; ernähre, erläutert ein <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/">separater Artikel</a>.</p>
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		<title>Ein historischer Blick &#8211; die Anfänge von Pro Ana</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Sep 2023 13:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Historie]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Ana]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Rund um das Jahr 2002 schwappte Pro Ana auch in den deutschsprachigen Raum. Hierzulande konzentrierte sich der Austausch neben unzähligen privaten Kleinwebseiten auf die damals boomenden Webforen. Die ersten Foren in Deutschland waren - in der zu jener Zeit üblichen Baumstruktur gestaltet - die beiden namens „just ana“ bzw. „Miss Ana“. Bei der Namensgebung fällt auf, dass sich die Bezeichnungen der frühen Ana-Foren sehr stark ähnelten, so zum Beispiel „Just for Angels“, „Ana4life“, „ANAther kind of Art“ und meist die Bezeichnung Ana im Namen trugen.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Ein historischer Blick &#8211; die Anfänge von Pro Ana</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wie die meisten Untergrundbewegungen fand Pro Ana ihren Ursprung in den USA in Diskussionsgruppen und auf Websites. Als Ursprung wird von mehreren Stellen eine 1998 gegründete Yahoo-Diskussionsgruppe namens „<em>Diet Coke Club</em>“ angegeben. Der Austausch in dieser Gruppe markiert auch den bald folgenden Beginn der Verbreitung im deutschsprachigen Raum.</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:50%">
<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Bereits im Jahr 2001 warnte das TIME Magazin in einem Bericht mit dem treffenden Titel „<em>Anorexia goes High Tech</em>“ vor der sich gerade entwickelnden, magersuchtsverherrlichenden Szene. Insbesondere der Screenshot von „<em>Anorexic Nation</em>“, einer der ersten, großen US-Webseiten, der den Oberkörper einer ausgemergelten jungen Frau in drei Farben zeigte, stach in diesem Artikel ins Auge. Dazu brachte die TIME – natürlich unter entsprechender inhaltlicher Distanzierung&nbsp; – in einem Infokasten 10 direkte Links zu Ana-Webseiten und Yahoo-Diskussionsgruppen. Die Warnung war also &#8211; aus der heutigen Sicht betrachtet &#8211; gleichzeitig eine Werbung, wodurch sich der damalige Hype rasant entwickelt hat. </p>
</div>



<div class="wp-block-column has-background is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="background-color:#f1f1f1;flex-basis:50%">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6a796b7d6259c&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6a796b7d6259c" class="wp-block-image size-full wp-lightbox-container"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="809" height="760" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="http://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/05/ScreenHunter_4961-May.-26-17.01.jpg" alt="" class="wp-image-140" srcset="https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/05/ScreenHunter_4961-May.-26-17.01.jpg 809w, https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/05/ScreenHunter_4961-May.-26-17.01-300x282.jpg 300w, https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/05/ScreenHunter_4961-May.-26-17.01-768x721.jpg 768w" sizes="(max-width: 809px) 100vw, 809px" /><button
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die frühen Webseiten über Pro Ana trugen Namen wie „<em>Ana&#8217;s Underground Grotto</em>“, „<em>Starving for Perfection</em>“ oder „<em>Totally in Control</em>“, was von der Wortwahl Assoziationen zu Geheimclubs und einer subversiven Untergrundbewegung hervorrief. Zeitgleich mit dem&nbsp; Aufkommen dieser Szene gab es bereits 2001 erste Bemühungen, beispielsweise die entstehenden Newsgroups rasch wieder zu schließen. Der Internetriese Yahoo, auf dessen Plattformen zahlreiche dieser Austauschgruppen angesiedelt waren, wurde folgendermaßen zitiert: <em>„When content with the sole purpose of promoting harm is brought to our attention, we will evaluate it and in extreme cases remove it. Although this issue affects an extremely small portion of our overall user base, it is something we take very seriously.“</em> (<a href="https://web.archive.org/web/20050831181712/http://my.webmd.com/content/article/34/1728_85382" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Quelle</a>) </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch wenn sich Anbieter wie Yahoo, Angelfire u.a. in Folge bemühten, Pro Ana Gruppen und Web Clubs vom Netz zu nehmen – was in den USA komplizierte Diskussionen wegen des Grundrechts auf Meinungsfreiheit nach sich zog – hatten diese Bemühungen langfristig keinen Erfolg. Dies zeigt auch die rasche globale Ausbreitung dieser Strömung von seinen US-amerikanischen Ursprüngen hin zu einem internationalen Problem. Im selben Jahr, ebenfalls 2001, berichtete auch <a href="https://web.archive.org/web/20060427072122/http://news.bbc.co.uk/1/hi/health/1348665.stm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die britische BBC</a> über Pro Ana.&nbsp; </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Durch anonymen, großflächigen Austauschs bot das Aufkommen der sozialen Medien wenige Jahre z.B. auf MySpace („<em>Pro Ana Nation</em>“ mit über 1000 Mitgliedern) und in Facebook-Gruppen mit Titeln wie „<em>Get thin or die trying</em>“ der Szene eine immer größere Verbreitungsmöglichkeit.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die Ausbreitung von Pro Ana in Deutschland</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Rund um das Jahr 2002 schwappte Pro Ana auch in den deutschsprachigen Raum. Hierzulande konzentrierte sich der Austausch neben unzähligen privaten Kleinwebseiten auf die damals boomenden Webforen. Die ersten Foren in Deutschland waren &#8211; in der zu jener Zeit üblichen Baumstruktur gestaltet &#8211; die beiden namens „<em>just ana</em>“ bzw. „<em>Miss Ana</em>“. Bei der Namensgebung fällt auf, dass sich die Bezeichnungen der frühen Ana-Foren sehr stark ähnelten, so zum Beispiel „<em>Just for Angels</em>“, „<em>Ana4life</em>“, „<em>ANAther kind of Art</em>“ und meist die Bezeichnung Ana im Namen trugen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Einige dieser Foren hatten längeren bzw. kürzeren Bestand, wurden gelöscht, zusammengelegt oder auch gehackt. Da die Szene damals in Deutschland relativ klein war, kannte man sich untereinander und viele der Userinnen (zur damaligen Zeit waren es fast nur weibliche Betroffene) waren in mehreren Foren Mitglied, die jeweils von einer Admiss geleitet wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Im Jahr 2003 wurden u.a. die Foren „<em>Blumenkinder</em>“, „<em>Secret Soulfly</em>“ und „<em>Spiegelkinder</em>“ bzw. „<em>Broken Fairytales</em>“ gegründet. Besondere Bekanntheit erlangten die sogenannten „<em>Spiegelkinder</em>“, weil die Administratorin einer Journalistin des Kölner Stadtanzeigers ein Jahr später, im Sommer 2004, ein Interview gab, welches die Basis für den oft zitierten Artikel namens <a href="https://www.ksta.de/redaktion/reportage-ueber-magersucht-meine-freundin-ana-273787" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„<em>Meine Freundin Ana</em>“</a> bildete, der in einem Reupload von 2006 noch online ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Waren die Foren bislang relativ überschaubar, löste dieser Medienbericht, der sogar einen journalistischen Preis bekam, einen Run auf das Spiegelkinder-Forum aus. In Folge löschte die Administratorin ihr Forum, die meisten der User fanden in den Foren „<em>Dornenkinder</em>“ und „<em>Seelenkinder</em>“ jedoch wieder zusammen. Letzteres Forum wurde 2004 gegründet und galt bis zu dessen Schließung nach über 10 Jahren Onlineaktivität als eines der größten Pro-Foren in Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Mit den zunehmenden Medienberichten erlangte die deutschsprachige Pro Ana Szene eine immer größere Bekanntheit – vor allem auch in Betroffenenkreisen derjenigen, die bereits an einer Essstörung litten und nun Austausch unter Gleichgesinnten suchten. Es gab in den frühen Zweitausenderjahren um die 100 Foren mit Mitgliederzahlen von wenigen dutzend bis mehreren hundert Usern.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Da die Szene bald zu groß und unübersichtlich wurde, sodass man sich nicht mehr aus direktem Email/Forenkontakt kannte, wurden Linkforen wie „<em>Lunas Linkforum</em>“, Toplists und ein „<em>Admissen-Forum</em>“ benutzt, damit sich die Betroffenen weiter vernetzen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Zeitgleich kamen auch die Forenbetreiber immer mehr unter medialen Druck und schlossen der Reihe nach das Webhosting für Pro Ana Foren, so zum Beispiel der Anbieter „forencity“. Rapidforum war einer der wenigen Forenhoster, der keine inhaltliche Kontrolle durchführte und so zum kostenlosen Anbieter erster Wahl für&nbsp;Pro Ana Foren wurde. Als dieser Dienst im Jahr 2009 endete, erwarben einige der Foren kostenpflichtigen Webspace. Doch mit dem Aufkommen der sozialen Medien verlagerte sich die Pro Ana Szene rasch dorthin, was mit dem generellen Trend des „Forensterbens“ korrespondierte.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Für die weitere Entwicklung von Pro Ana war vor allem Instagram als bildfokussiertes Medium bedeutend, dazu in einem <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/">Folgebeitrag </a>mehr.</p>
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		<title>Einleitung Pro Ana</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 11 Jun 2023 13:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Ana]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Begriff Pro Ana ist mittlerweile durch zahlreiche Medienberichte in Kreisen derjeniger durchaus bekannt, die sich mit Essstörungen befassen – sei es als Angehörige, Behandelnde oder als selbst Betroffene. Längst ist Pro Ana kein „Geheimwort“ mehr oder gar eine „Untergrundbewegung“ wie vor über 20 Jahren, als der Begriff erstmals in den USA aufgetaucht ist. Doch dessen Gefährlichkeit hat über die Jahre keinesfalls abgenommen, im Gegenteil:</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/psychologie/einleitung-pro-ana-2/">Einleitung Pro Ana</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Einleitung Pro Ana</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Der Begriff Pro Ana ist mittlerweile durch zahlreiche Medienberichte in Kreisen derjeniger durchaus bekannt, die sich mit Essstörungen befassen – sei es als Angehörige, Behandelnde oder als selbst Betroffene. Längst ist Pro Ana kein „Geheimwort“ mehr oder gar eine „Untergrundbewegung“ wie vor über 20 Jahren, als der Begriff erstmals in den USA aufgetaucht ist. Doch dessen Gefährlichkeit hat über die Jahre keinesfalls abgenommen, im Gegenteil: </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">War Pro Ana zunächst eine Art „Geheimclub“ von essgestörten Mädchen und jungen Frauen (seltener Burschen), haben sich in den letzten Jahren Pädophile diese Strukturen zunutze gemacht, was das Risiko für die meist minderjährigen Betroffenen deutlich erhöht hat. Es geht nun nicht „nur“ mehr um das Verstärken des Teufelskreises einer Essstörung und der Förderung von Therapieunwilligkeit, sondern auch um die Gefahr des pädosexuellen Missbrauchs unter dem Schlagwort „Ana Coach“ hinter (mehr oder weniger) versteckten Türen von WhatsApp Chats bzw. anderen sozialen Medien. </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In unserem Special zum Thema Pro Ana gehen wir bis an die Anfänge zurück und rollen die Entwicklung dieser Bewegung vor allem – aber nicht nur – im deutschsprachigen Raum auf. Dazu werfen wir einen Blick hinter die Kulissen einiger in den frühen 2000er Jahren bekanntesten Webforen in Deutschland, die lediglich Mitgliedern vorbehalten waren, sowie in die archivierten Chats von WhatsApp Gruppen und „Ana Coaches“.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="240" height="31" src="http://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/05/Unbenannt-7.jpg" alt="" class="wp-image-81"/></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Unsere Informationen basieren u.a. auf meinen persönlichen Erlebnissen, denn ich war von 2001 (als Teenager) bis 2021 (als mittlerweile erwachsene Frau) in der Pro Ana Szene aktiv. Meine Materialien zu diesem Thema füllen über 2 A4-Collegeordner, da ich seit Beginn an tagebuchartig meine Foren-Aktivitäten aufgeschrieben und chronologisiert habe. Das Auftauchen der ersten derartigen Rapidforen im deutschsprachigen Raum habe ich persönlich miterlebt sowie die etwas später anlaufenden Medienberichte und – mit einer für Magersüchtige typischen Akribie – alles dazu gesammelt. Später war ich als Administratorin in einem der größten Foren tätig (bis zu dessen Schließung 2017) und danach in zahlreichen WhatsApp Gruppen aktiv, zuletzt auch unter dem Einfluss eines sogenannten „Ana Coaches“. Meine in diesen 20 Jahren gesammelten Aufzeichnungen, Screenshots sowie detaillierte Tagebücher und Collagen an Zeitungsausschnitten bilden die Basis der Recherchen dieser Webseite.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Darüber hinaus ziehen Marvel und ich auf der Webseite in einem weiteren Schwerpunkt aus psychologischer Sicht Bilanz und ordnen die Pro Ana Szene dementsprechend ein – und zwar als Bewegung mit sektenähnlichen Strukturen. Wir beleuchten beide Seiten – sowohl die Sicht einer ehemals Betroffenen als auch den Blickwinkel von Fachpersonen auf die Szene, um deren Komplexität in allen Facetten gerecht zu werden.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/psychologie/einleitung-pro-ana-2/">Einleitung Pro Ana</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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