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	<title>2. Psychologie-Themen Archive - Analytische Kritik</title>
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	<title>2. Psychologie-Themen Archive - Analytische Kritik</title>
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		<title>Hochsensibilität (HSP)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stella]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Aug 2026 17:51:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Der Instagram-Beitrag von Quarks ist beinahe eine kleine Demonstration dafür, wie Reifizierung funktioniert: Aus einem theoretischen Konstrukt wird sprachlich nach und nach etwas, das wie eine objektiv vorhandene Personengruppe erscheint.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/hochsensibilitaet-hsp/">Hochsensibilität (HSP)</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<figure class="wp-block-table"><table class="has-base-background-color has-background has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Anlass für diesen Beitrag waren mehrere aktuelle Auseinandersetzungen mit dem Thema <strong>Hochsensibilität</strong>: ein Instagram-Beitrag <a href="https://www.instagram.com/reels/DHDAAofvBLZ/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von Quarks</a> (Fehlinformation), eine Folge der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=1Ch9goGbamc" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Science Cops</a> (Aufklärung) sowie eine Besprechung der YouTuber <a href="https://www.youtube.com/watch?v=alFbQ8-cfPI" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Sinan und Biased Skeptic</a> (Untermauerung der Aufklärung). <br>Dabei rückte für mich vor allem eine Frage wieder in den Mittelpunkt: Was meinen wir eigentlich, wenn wir heute von „Hochsensibilität“ oder „HSP“ sprechen – und wie ist dieses Konstrukt entstanden?<br><br>Gerade die gegenwärtige Diskussion hat mich deshalb<strong> nicht</strong> dazu bewogen, beim heutigen Forschungsstand anzusetzen, sondern im Gegenteil: noch einmal ganz an den Anfang zurückzugehen. Denn vieles, was heute unter dem Begriff Hochsensibilität diskutiert, bestätigt oder kritisiert wird, lässt außer Acht, wie der Begriff ursprünglich entwickelt, inhaltlich ausgestaltet und schließlich popularisiert wurde. Wer beurteilen möchte, was von dem heutigen Konzept zu halten ist, sollte deshalb zunächst nachvollziehen, wie es überhaupt zu dem Konzept geworden ist, das wir heute kennen.</td></tr></tbody></table></figure>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Reifizierung eines psychologischen Konstrukts</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Instagram-Beitrag <strong><a href="https://www.instagram.com/reels/DHDAAofvBLZ/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von Quarks</a></strong> ist beinahe eine kleine Demonstration dafür, wie Reifizierung funktioniert: Aus einem theoretischen Konstrukt wird sprachlich nach und nach etwas, das wie eine objektiv vorhandene Personengruppe erscheint.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders problematisch finde ich die Formulierung „Messungen bestätigen“. Das ist sprachlich kein vorsichtiger Hinweis auf eine heterogene Forschungslage. „Bestätigen“ bedeutet für Leser praktisch: Das wurde objektiv gemessen und ist nachgewiesen. Genau diese Behauptung ist aber gerade strittig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch „Psycholog:innen unterteilen uns in drei Gruppen“ ist erstaunlich apodiktisch formuliert. Es klingt, als handele es sich um eine etablierte psychologische Taxonomie. Tatsächlich müsste man zunächst fragen: Wer genau teilt so ein? Aufgrund welcher Skala und welcher statistischen Verfahren? Und rechtfertigen die Ergebnisse tatsächlich die Rede von drei unterschiedlichen „Typen“? Der nachfolgende Satz „Jeden Typen gibt es ungefähr gleich häufig“ verstärkt noch den Eindruck, als seien drei klar voneinander abgrenzbare Menschentypen entdeckt worden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um den Quarks-Beitrag und die wissenschaftliche Kritik daran näher einzuordnen, empfehle ich durchaus, bei den YouTubern Sinan und Biased Skeptic sowie den Science Cops reinzuhören. Ich möchte an dieser Stelle jedoch einen anderen Weg einschlagen und weiter zurückgehen: an den Anfang der Popularisierung von Hochsensibilität und zu der Frage, welches Menschenbild mit dem neuen Begriff verbreitet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich werde in diesem Artikel aufzeigen, dass die Popularisierung von Hochsensibilität von Anfang an nicht nur wissenschaftliche Aussagen über Sensitivität transportierte. Sie transportierte zugleich ein Identitäts- und Entlastungsnarrativ: Was bislang als Schwäche erschien, ist keine Schwäche. Es ist die Kehrseite einer besonderen, angeborenen Gabe, die von einer auf Härte und Leistung ausgerichteten Gesellschaft missverstanden wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Elaine Aron und die „Highly Sensitive Person“</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wer verstehen möchte, was mit „Hochsensibilität“ ursprünglich gemeint war, sollte nicht bei der heutigen Forschung beginnen. Man sollte zunächst dorthin zurückgehen, wo das Konzept seine populäre Gestalt bekam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die<a href="https://web.archive.org/web/20001012214939/http://www.hsperson.com/index.htm"> </a><strong><a href="https://web.archive.org/web/20001012214939/http://www.hsperson.com/index.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">US-amerikanische Psychologin Elaine N. Aron</a></strong> prägte in den 1990er-Jahren die Bezeichnung „Highly Sensitive Person“ (HSP). Gemeinsam mit Arthur Aron veröffentlichte sie 1997 die wissenschaftliche Arbeit „Sensory-Processing Sensitivity and Its Relation to Introversion and Emotionality“. Noch wesentlich größer dürfte die öffentliche Wirkung jedoch von ihren Büchern ausgegangen sein. „The Highly Sensitive Person“ entwickelte sich zum Bestseller; weitere Bücher und ein Arbeitsbuch folgten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Aron selbst Hochsensibilität um die Jahrtausendwende vermittelte, lässt sich heute noch anhand archivierter Fassungen ihrer damaligen Internetseite nachvollziehen. Eine Version aus dem Jahr 2000 ist dabei besonders aufschlussreich. Denn dort begegnet uns nicht lediglich die vorsichtige Beschreibung eines möglicherweise existierenden Persönlichkeitsmerkmals. Aron spricht ihre Leser unmittelbar als Gruppe an: „Liebe hochsensible Person (HSP)“<br>Bereits unmittelbar danach fordert sie die Besucher auf, zunächst <strong><a href="https://web.archive.org/web/20001013014355/http://www.hsperson.com/pages/test.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">ihren Selbsttest</a></strong> zu machen. Dieser, schreibt Aron, beschreibe das Persönlichkeitsmerkmal „in gewisser Weise besser als alles andere“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich in dem Test bzw. dem Ergebnis wiedererkannte, bekam von Aron nicht lediglich eine Bezeichnung für diese Erfahrungen angeboten. Er bekam zugleich eine Erklärung.<br>Hochsensibilität sei normal und angeboren. 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung hätten diese Eigenschaft geerbt. Das Nervensystem hochsensibler Menschen sei „feinfühliger für Nuancen“. Dabei müssten Seh-, Hör- oder Geruchssinn gar nicht besser ausgeprägt sein. Entscheidend sei vielmehr, dass das Gehirn Informationen intensiver verarbeite und tiefergehend reflektiere.<br>Damit war zugleich eine Erklärung für Überforderung gegeben: Hochsensibel zu sein bedeute, so Aron, „zwangsläufig“, leichter überstimuliert, gestresst und überfordert zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau an dieser Stelle wird das frühe HSP-Konzept für mich besonders interessant. Denn Aron beschrieb nicht lediglich Eigenschaften. Sie bot ihren Lesern eine Neubewertung bereits bekannter Eigenschaften und Schwierigkeiten an.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Schüchternheit? Nicht das eigentliche Merkmal.</li>



<li>Introversion? Ebenfalls nicht – schließlich seien 30 Prozent der Hochsensiblen extrovertiert.</li>



<li>Gehemmtheit oder Ängstlichkeit? Auch diese könnten bei hochsensiblen Menschen vorkommen, seien jedoch nicht die grundlegende Ursache.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die eigentliche Erklärung liege, so Aron, in einer angeborenen Persönlichkeitseigenschaft und einem Nervensystem, das Informationen intensiver und tiefgehender verarbeite. Damit ließ sich auch Überforderung neu deuten: Wer schneller erschöpft oder überstimuliert war, war nicht weniger belastbar – die Belastung erschien vielmehr als Folge einer besonderen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich erklärte Aron die negative Bewertung von Sensibilität gesellschaftlich. Unsere Kultur bevorzuge Härte und Offenheit; Hochsensibilität werde deshalb unterschätzt und sei auch von der Forschung vernachlässigt worden. Viele Betroffene hätten vermutlich schon den Satz gehört: „Sei nicht so empfindlich.“ Sie hätten sich dadurch unnormal gefühlt, obwohl mit ihnen, so Aron, überhaupt nichts unnormal sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders aufschlussreich ist, wie Aron den Zweck ihres Arbeitsbuches beschrieb: Hochsensible benötigten Zeit, um ihre Vergangenheit neu zu bewerten, ihr Selbstverständnis zu verändern und ihr Leben auf Grundlage eines tieferen Verständnisses ihres Nervensystems neu zu planen. Damit bot das Konzept weit mehr als die Beschreibung eines Persönlichkeitsmerkmals. Es ermöglichte eine biografische Neuinterpretation: Frühere Überforderung, Rückzug oder das Gefühl, „zu empfindlich“ zu sein, konnten nun als Ausdruck einer besonderen angeborenen Veranlagung verstanden werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aus „Mit mir stimmt etwas nicht“ konnte werden: Mit mir stimmt sehr wohl etwas. Ich besitze lediglich ein Nervensystem, das anders – <em>intensiver und tiefer </em>– verarbeitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau dieses Narrativ ist wichtig für das, was anschließend geschah. Denn als das Konzept wenige Jahre später im deutschsprachigen Raum Verbreitung fand, begegnen uns erstaunlich ähnliche Formulierungen wieder: das empfindlichere Nervensystem, die tiefere Verarbeitung, die frühere Überstimulation, die Abgrenzung gegenüber vermeintlich geringerer Belastbarkeit – und schließlich die Vorstellung, dass das, was gesellschaftlich als Schwäche gilt, in Wahrheit auch eine <strong>besondere Fähigkeit oder sogar eine „Gabe“</strong> sein könne.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der Boom und Markt im deutschsprachigen Raum</strong> </h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unmittelbar nach der Jahrtausendwende gründeten Georg Parlow und Ingrid Peternell-Eder den Verein „Zart besaitet – Gesellschaft zur Förderung und Pflege der Belange hochempfindlicher Menschen“. In diesem Zusammenhang entstand 2003 die Webseite <strong><a href="https://web.archive.org/web/20031211140352/http://zartbesaitet.net/wir.htm" target="_blank" rel="noreferrer noopener">zartbesaitet.net</a></strong>. Zu diesem Zeitpunkt war Parlows Buch „Zart besaitet“ bereits geschrieben und stand kurz vor der Veröffentlichung. Es sollte sich zu einem Bestseller entwickeln. Parlow hielt zudem bereits Vorträge zum Thema Hochsensibilität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist für die weitere Entwicklung nicht unwesentlich. Denn Hochsensibilität wurde auch im deutschsprachigen Raum nicht ausschließlich als Gegenstand wissenschaftlicher Forschung verbreitet. Um das Konzept entstand früh ein Angebot aus Büchern, Vorträgen, Beratung und später zahlreichen weiteren Dienstleistungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Parlow brachte dafür Erfahrungen aus verschiedenen Bereichen der Beratung, Selbsterfahrung und alternativ ausgerichteten Verfahren mit. Auf seiner eigenen Webseite bezeichnet er sich unter anderem als „Energethiker, Coach und Berater“ und nennt Ausbildungen zum „Gruppentherapeuten der humanistischen Psychologie“, zum „Einzeltherapeuten in Mind Clearing“ sowie zum „Peak States<img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/2122.png" alt="™" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" />-Therapeuten“. Was insbesondere die beiden erstgenannten Qualifikationen konkret umfassten und welchen formalen Status sie hatten, lässt sich anhand dieser Angaben allein nicht bestimmen. „Mind Clearing“ gehört jedenfalls nicht zu den etablierten wissenschaftlichen Psychotherapieverfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Interessanter als die Person Parlow ist für meine Betrachtung jedoch das Geschäftsmodell, das sich rund um Hochsensibilität entwickeln konnte. Denn mit der Verbreitung des Begriffs entstand zugleich eine neue Zielgruppe: Menschen, die sich selbst als hochsensibel erkannten und nach Informationen, Austausch, Büchern, Vorträgen oder Beratung suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An diesem Punkt wird auch der damalige Selbsttest interessant. Die deutschsprachige Fassung umfasste 59 Fragen und damit erheblich mehr als Arons ursprüngliche 27 Items. Inhaltlich deckte sie ein außerordentlich breites Spektrum menschlicher Erfahrungen und Eigenschaften ab. Je weiter jedoch die Grenzen eines solchen Konstrukts gezogen werden, desto mehr Menschen können sich darin wiedererkennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das allein beweist selbstverständlich keine kommerzielle Absicht bei der Gestaltung des Tests. Es erzeugt aber einen Zusammenhang, den man bei der Geschichte der Popularisierung nicht ausblenden sollte: Selbsttest, Identifikation und kommerzielle Angebote existierten nicht unabhängig voneinander. Wer sich durch einen solchen Test erstmals als „hochsensibel“ verstand, fand zugleich einen wachsenden Markt vor, der genau für diese neu bezeichnete Eigenschaft Bücher, Vorträge, Beratung und weitere Hilfestellungen anbot.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Der HSP-Selbsttest</strong> (59 Fragen)</h3>


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<p class="wp-block-paragraph">Schon <strong><a href="https://web.archive.org/web/20050309112852/http://www.zartbesaitet.net/hsptest_neu/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die Seite</a></strong> (siehe auch die oberen Galeriebilder) selbst ist bemerkenswert. Dort steht ausdrücklich:</p>



<p class="wp-block-paragraph">→ „Für die Auswertung des Tests sind bis jetzt nur 27 Fragen relevant.“ Welche Fragen gemeint sind, bleibt offen. <br>Und anschließend:<br>→ „Vorauszuschicken ist, dass der Test und die gesamte Forschung über hochempfindliche Menschen (HSP) noch in den Kinderschuhen stecken […]“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine Momentaufnahme vom 9. März 2005 aus dem Web Archive. Wir sehen also nicht die heutige, nach Jahrzehnten wissenschaftlicher Nachbearbeitung entstandene SPS-Literatur, sondern ziemlich unmittelbar, wie das Konzept damals im deutschsprachigen HSP-Milieu <em>operationalisiert</em> wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Items sind wirklich bemerkenswert heterogen.<br>Da steht Sensorisches neben Beziehungserleben, Persönlichkeit, Ängsten, Lebenszufriedenheit und medizinischen Problemen.<br>Nimmt man dann auch noch die Arzneimittel dazu, dann haben wir plötzlich mindestens sensorische Reaktivität: Schmerz, Stressreaktivität, Emotionalität, Ängstlichkeit, Beziehungserleben, soziale Unsicherheit, Gewissenhaftigkeit, ästhetisches Erleben, Lebenszufriedenheit, Kindheitserfahrungen, Familienmerkmale und Pharmakologie in demselben Erhebungsinstrument.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die einzelnen Erfahrungen können zweifellos real sein. Ihre Ursachen sind jedoch keineswegs eindeutig. Erhöhte Schreckhaftigkeit kann beispielsweise im Rahmen einer Angst- oder Traumafolgestörung auftreten. Schwierigkeiten mit Veränderungen, Reizüberlastung oder gleichzeitig gestellten Anforderungen können bei Autismus vorkommen. Probleme mit der Organisation mehrerer Anforderungen finden sich auch bei ADHS. Rückzug und verminderte Belastbarkeit können mit Depressionen oder chronischen Erkrankungen zusammenhängen. Ängste vor Zurückweisung oder Verlassenwerden wiederum gehören in einen ganz anderen psychologischen Bereich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist nicht gesagt, dass Menschen mit diesen Merkmalen zwangsläufig bei diesem HSP-Test hohe Werte erzielten. Dafür wären entsprechende Daten erforderlich. Das methodische Problem liegt an anderer Stelle: Zahlreiche Fragen sind nicht spezifisch genug, um zwischen sehr unterschiedlichen möglichen Ursachen unterscheiden zu können.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Von der Eigenschaft zur Erklärung</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier entsteht ein Problem, das bei Selbsttests leicht übersehen wird.<br>Wenn sehr unterschiedliche Erfahrungen zunächst als mögliche Erscheinungsformen von Hochsensibilität definiert werden, anschließend genau diese Erfahrungen in einem Hochsensibilitäts-Test abgefragt werden und eine hohe Zustimmung schließlich als Hinweis auf Hochsensibilität interpretiert wird, droht ein Zirkelschluss:<br>Hochsensibilität zeigt sich an bestimmten Eigenschaften – und dass diese Eigenschaften Ausdruck von Hochsensibilität sind, zeigt der Test, der nach diesen Eigenschaften fragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit ist noch nicht geklärt, ob hinter ihnen tatsächlich ein eigenständiges gemeinsames Merkmal steckt.<br>Psychologisch interessant wäre deshalb nicht nur die Frage, ob die einzelnen Testfragen miteinander zusammenhängen. Entscheidend wäre ebenso die diskriminante Validität: Lässt sich das postulierte Merkmal zuverlässig von bereits bekannten Konstrukten wie Ängstlichkeit, Neurotizismus, Introversion, Stressreaktivität oder sensorischer Überreaktivität unterscheiden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und noch weitergehend müsste gefragt werden, ob „Hochsensibilität“ zusätzliche Erklärungskraft besitzt, nachdem solche bekannten Merkmale berücksichtigt wurden. In der Psychometrie spricht man dabei von inkrementeller Validität.<br>Ein Test kann durchaus zuverlässig etwas messen, ohne dass damit bereits bewiesen wäre, dass dieses „Etwas“ eine eigenständige psychologische Eigenschaft darstellt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders bemerkenswert sind die medizinischen Fragen. Damit verlässt der Test den Bereich von Persönlichkeit und Wahrnehmung nahezu vollständig.<br>Gefragt wird beispielsweise:</p>



<p class="wp-block-paragraph">→ „Ich habe das Gefühl, auf die Einnahme/Anwendung von Arzneimitteln besonders empfindlich zu reagieren.“<br>→ „Ich musste die Einnahme eines Arzneimittels wegen zu starker Wirkung oder Nebenwirkungen abbrechen oder die Dosierung reduzieren.“<br>→ „Ich nehme eine geringere Arzneimitteldosis ein, als mir der Arzt verschrieben hat […] damit die Wirkung nicht zu stark ist.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danach folgen Fragen nach Arzneimittelallergien, Unverträglichkeiten und Medikamentengruppen, bei denen Nebenwirkungen oder Dosierung als besonders problematisch erlebt wurden.<br>Eine besondere Arzneimittelwirkung kann zahlreiche pharmakologische und medizinische Ursachen haben. Sie ist zunächst kein Nachweis einer allgemeinen psychologischen Eigenschaft „Hochsensibilität“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade diese Fragen zeigen deshalb besonders deutlich, wie weit die Grenzen des damaligen Konstrukts gezogen wurden: Wahrnehmung, Emotionalität, Partnerschaft, Ängste, Kindheit, Beruf, Lebenszufriedenheit und sogar Medikamentenverträglichkeit konnten unter demselben begrifflichen Dach erfasst werden.<br>Für die historische Betrachtung bleibt der Test außerordentlich aufschlussreich. Denn er dokumentiert, welche Bereiche menschlichen Erlebens im Umfeld der frühen deutschsprachigen Hochsensibilitätsbewegung überhaupt als untersuchungswürdig im Zusammenhang mit HSP angesehen wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und diese Spannweite war enorm.</p>



<h3 class="wp-block-heading"><strong>Was bleibt von der „hochsensiblen Person“?</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte der Hochsensibilität zeigt ein bemerkenswertes Phänomen. Ausgangspunkt war die Hypothese einer erhöhten Sensitivität. Daraus entstand jedoch sehr schnell weit mehr: die Vorstellung eines bestimmten Menschentyps mit einem empfindlicheren Nervensystem, tieferer Informationsverarbeitung, stärkerem emotionalen Erleben, schnellerer Überstimulation und einer ganzen Reihe weiterer Eigenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entscheidend ist dabei die Richtung der Erklärung. Nicht einzelne Phänomene wurden zunächst unabhängig untersucht und anschließend auf eine gemeinsame Ursache zurückgeführt. Vielmehr stand die „hochsensible Person“ sehr früh als Erklärungsrahmen bereit. Wer sich in den Beschreibungen wiedererkannte, bekam damit zugleich eine Erklärung für sehr unterschiedliche Erfahrungen angeboten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau darin lag vermutlich ein wesentlicher Teil der enormen Attraktivität des Konzeptes. Es erklärte nicht nur Reizempfindlichkeit. Es konnte Schüchternheit erklären, Rückzug, Erschöpfung, Ängstlichkeit, Schwierigkeiten in Beziehungen, berufliche Überforderung, intensive Gefühle, besondere Gewissenhaftigkeit, ästhetische Empfindsamkeit und schließlich sogar ungewöhnliche Reaktionen auf Medikamente.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor allem: Es wertete diese Erfahrungen neu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer sich zuvor für zu empfindlich, zu wenig belastbar oder den Anforderungen des Alltags nicht gewachsen hielt, bekam eine vollkommen andere Geschichte über sich selbst angeboten. Vielleicht war man gar nicht schwach. Vielleicht nahm man einfach mehr wahr. Verarbeitete tiefer. Fühlte intensiver. Und vielleicht war nicht mit einem selbst etwas verkehrt, sondern mit einer Gesellschaft, die gerade diese besondere Veranlagung nicht zu würdigen wusste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein außerordentlich attraktives Narrativ. Aber die Attraktivität einer Erklärung ist kein Beleg für ihre wissenschaftliche Gültigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau hier liegt für mich das Problem der heutigen Debatte. Mehr als zwei Jahrzehnte später wird häufig über Skalen, Faktoren, Sensitivitätsgruppen und neuere Studien gesprochen. Das ist legitim und wissenschaftlich notwendig. Dabei gerät jedoch leicht aus dem Blick, was eigentlich untersucht wird und wie das populäre Bild entstanden ist, das heute mit dem Wort „Hochsensibilität“ verbunden wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ein psychometrischer Befund darüber, dass sich Menschen hinsichtlich ihrer Sensitivität unterscheiden, bestätigt nicht rückwirkend all das, was seit den 1990er- und frühen 2000er-Jahren unter dem Etikett der „hochsensiblen Person“ versammelt wurde. Er bestätigt weder automatisch ein besonderes Nervensystem noch einen klar abgrenzbaren Menschentyp – und schon gar nicht das gesamte Bündel an Eigenschaften, Fähigkeiten, Schwierigkeiten und biografischen Erfahrungen, das diesem Typ im Laufe der Jahre zugeschrieben wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau deshalb halte ich Formulierungen wie „Messungen bestätigen“ (siehe Quarks-Instagram-Beitrag) oder „Psycholog:innen unterteilen uns in drei Gruppen“ für problematisch. Sie überspringen einen entscheidenden Schritt: die Frage, was diese Messungen tatsächlich bestätigen.<br>Dass Menschen unterschiedlich empfindlich auf Reize, Stress oder Umweltbedingungen reagieren? Sicher.<br>Dass sich solche Unterschiede psychometrisch erfassen lassen? Ebenfalls.<br>Aber daraus folgt noch nicht, dass die „hochsensible Person“, wie sie seit Elaine Aron beschrieben, durch Selbsttests identifiziert, durch Bestseller popularisiert und später durch einen ganzen Beratungs- und Coachingmarkt weiter ausgestaltet wurde, damit als wissenschaftlich bestätigte Personenkategorie feststeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht besteht der wichtigste Unterschied deshalb gar nicht zwischen „hochsensiblen“, „mittelsensiblen“ und „wenigsensiblen“ Menschen.<br>Vielleicht besteht er zunächst zwischen einem messbaren Unterschied menschlicher Sensitivität und der Geschichte, die wir um diesen Unterschied herum gebaut haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und genau diese beiden Dinge sollten wir nicht miteinander verwechseln.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/hochsensibilitaet-hsp/">Hochsensibilität (HSP)</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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		<title>Emotionale und verbale Gewalt</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Jul 2026 18:42:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[<p>Text erarbeitet am 04.02.2026 für ein externes Projekt Emotionale und verbale Gewalt ist eine Form von Gewalt, die keine sichtbaren Spuren hinterlässt – aber tiefe innere Narben. Sie zeigt sich nicht durch Schläge, sondern durch Worte, Blicke, Tonfall, Ignorieren oder Abwerten. Oft geschieht sie im Alltag, immer wieder, scheinbar „nebenbei“. Was ist emotionale und verbale ... <a title="Emotionale und verbale Gewalt" class="read-more" href="https://analytische-kritik.de/psychologie/emotionale-und-verbale-gewalt/" aria-label="Mehr Informationen über Emotionale und verbale Gewalt">Weiterlesen</a></p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph">Text erarbeitet am 04.02.2026 für ein externes Projekt</p>



<p class="wp-block-paragraph">Emotionale und verbale Gewalt ist eine Form von Gewalt, die keine sichtbaren Spuren hinterlässt – aber tiefe innere Narben. Sie zeigt sich nicht durch Schläge, sondern durch Worte, Blicke, Tonfall, Ignorieren oder Abwerten. Oft geschieht sie im Alltag, immer wieder, scheinbar „nebenbei“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ist emotionale und verbale Gewalt?<br>Emotionale und verbale Gewalt liegt vor, wenn ein Kind:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>regelmäßig beschämt, herabgesetzt oder lächerlich gemacht wird</li>



<li>angeschrien, bedroht oder eingeschüchtert wird</li>



<li>ignoriert, emotional kalt behandelt oder gezielt ausgeschlossen wird</li>



<li>das Gefühl bekommt, falsch, zu viel oder unerwünscht zu sein</li>



<li>für Gefühle, Bedürfnisse oder Fehler abgewertet wird</li>



<li>Verantwortung für die Gefühle oder Probleme von Erwachsenen übernehmen muss</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Sätze wie<br><em>„Stell dich nicht so an.“<br>„Mit dir ist immer alles so anstrengend.“<br>„Wenn du so bist, hab ich dich nicht lieb.“<br>„Du bist schuld, dass ich so wütend bin.“</em><br>greifen die innere Sicherheit eines Kindes an.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Warum ist diese Form von Gewalt für Kinder so einschneidend?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Kinder entwickeln ihr Selbstbild nicht aus sich selbst heraus, sondern aus der Beziehung zu ihren Bezugspersonen. Ein Kind fragt innerlich nicht:<br><em>„Ist das Verhalten meiner Eltern richtig?“</em><br>sondern:<br><em>„Was stimmt mit mir nicht?“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Emotionale und verbale Gewalt wirkt deshalb so tief, weil sie:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>das Selbstwertgefühl des Kindes beschädigt</li>



<li>das Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit untergräbt</li>



<li>das Vertrauen in die eigenen Gefühle zerstört</li>



<li>Angst, Scham oder innere Leere erzeugt</li>



<li>die Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit behindert</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das Kind lernt nicht, wer es ist, sondern nur, wie es sein muss, um nicht abgelehnt zu werden.</p>



<p class="has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Mögliche Folgen für Kinder und Jugendliche</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Auswirkungen können sehr unterschiedlich sein und zeigen sich oft erst Jahre später:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>starke innere Unruhe oder Rückzug</li>



<li>Angststörungen, depressive Symptome</li>



<li>übermäßige Anpassung oder extreme Wut</li>



<li>Schwierigkeiten, Gefühle zu benennen oder zu regulieren</li>



<li>Probleme in Beziehungen, Grenzen zu setzen oder Nähe zuzulassen</li>



<li>das Gefühl, „nicht richtig“ oder „nicht liebenswert“ zu sein</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Betroffene sagen später: <em>„Es war nichts Greifbares – aber etwas in mir ist zerbrochen.“</em></p>



<div style="background: #F7F5F2; 
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            line-height: 1.6;">

<h4 style="margin-top: 0; color: #b76fa7;"><img src="https://s.w.org/images/core/emoji/17.0.2/72x72/26a0.png" alt="⚠" class="wp-smiley" style="height: 1em; max-height: 1em;" /> Wichtig zu wissen </h4>

<p>
<em>
Emotionale und verbale Gewalt ist echte Gewalt.<br>
Auch wenn sie oft verharmlost wird.</em></p><em>

</em><p><em>Kinder brauchen keine perfekten Erwachsenen.<br>
Aber sie brauchen Erwachsene, die ihre Würde achten.<br>
</em>
</p>

</div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Wenn Opfersein zum Verdacht wird</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stella]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Dec 2025 14:36:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[4. Skeptiker]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Bernd Harder]]></category>
		<category><![CDATA[Frank Urbaniok]]></category>
		<category><![CDATA[Sexueller Missbrauch]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Folgen dieser Verschiebung sind erheblich – und sie betreffen reale Betroffene sexuellen Missbrauchs unabhängig von jeder Verschwörungstheorie. Wenn Opfersein als identitätsstiftend geframt wird, entsteht ein zusätzlicher Rechtfertigungsdruck. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><em><strong>Über die problematische Rahmung sexuellen Missbrauchs als identitätsstiftendes Narrativ</strong></em></p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Urbaniok: Psychologische Erklärung mit problematischer Verkürzung</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">In der aktuellen Debatte um falsche Erinnerungen, suggestive Therapien und Verschwörungserzählungen rund um „rituelle Gewalt“ verschiebt sich leise, aber folgenreich der Fokus. Was als berechtigte Kritik an ideologischen Fehlentwicklungen beginnt, mündet zunehmend in eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Opfersein selbst. Besonders sichtbar wird diese Verschiebung dort, wo sexueller Missbrauch nicht mehr primär als Gewaltgeschehen betrachtet wird, sondern als psychologisch attraktives Deutungsangebot.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der forensische Psychiater Frank Urbaniok <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/plus693c346835d03c76a695e0f3/gefaehrliche-entwicklung-wie-therapeuten-ihren-patienten-sexuellen-missbrauch-einreden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener">formuliert in einem Interview</a> die These, dass Falschbeschuldigungen <em>„nicht selten“</em> von Personen ausgingen, die „dankbar nach dem Konstrukt <strong>sexueller Missbrauch</strong> greifen“, weil eine Identität als Opfer psychologisch attraktiv sei. Anerkennung, Mitleid und moralische Eindeutigkeit – <em>„Ich bin gut, die anderen sind böse“</em> – werden dabei als zentrale Motive benannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Aussage ist eingebettet in einen forensischen Kontext. Urbaniok argumentiert aus der Perspektive des Justizschutzes, mit Blick auf Fehlurteile und die realen Schäden für zu Unrecht Beschuldigte. Dieser Rahmen ist legitim. Problematisch wird seine Position jedoch dort, wo aus einer möglichen psychodynamischen Erklärung eine implizite Deutung des Opferseins selbst wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn Urbaniok bleibt an entscheidenden Stellen unpräzise. Die Formulierung <em><strong>„nicht selten“</strong></em> suggeriert Häufigkeit, ohne sie zu belegen. Vor allem aber bleibt unklar, worauf sich das <strong><em>„Konstrukt sexueller Missbrauch“</em></strong> konkret bezieht: auf nachweislich suggerierte Erinnerungen, auf ideologisch geprägte Therapien – oder auf Aussagen über real erlebte, aber nicht beweisbare Gewalt. Diese fehlende Trennschärfe öffnet den Raum für Generalisierungen, die weit über den ursprünglichen forensischen Zweck hinausreichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sexueller Missbrauch ist jedoch kein Narrativ, sondern <strong>eine Gewalterfahrung</strong>. Narrative entstehen erst in seiner nachträglichen Verarbeitung.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Harder: Kontextualisierung, die zur Ausweitung wird</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Generalisierung wird im skeptischen Diskurs aufgegriffen und verstärkt. In der Einordnung <a href="https://skeptix.org/2025/12/19/rituelle-gewalt-und-flascherinnerungen-von-den-schwarzen-und-blinden-flecken-einer-verschwoerungstheorie/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">durch Bernd Harder, der Urbaniok zitiert</a> und dessen Aussagen in einen umfassenden Text zur Verschwörungstheorie „rituelle Gewalt / Mind Control“ einbettet, verschiebt sich der Bedeutungsrahmen weiter. Urbanioks These fungiert dort nicht mehr als spezifische Warnung vor bestimmten Fehlentwicklungen, sondern als Erklärungsmuster für die Artikulation von Opfererfahrungen insgesamt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Harder benennt reale Schäden: suggestive Therapien, ideologische Beratungsstellen, Menschen, deren Leben durch falsche Erinnerungen zerstört wurde. Diese Kritik ist berechtigt. Doch durch die Kontextualisierung entsteht ein semantischer Kurzschluss. Die Grenze zwischen der Kritik an einer Verschwörungsideologie und dem Misstrauen gegenüber Menschen, die von sexueller Gewalt berichten, wird unscharf. Berichte über Opfererfahrungen erscheinen vor allem als anfällig, problematisch, potenziell funktional.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders wirksam ist dabei nicht das offen Gesagte, sondern das Implizite. Zwar wird wiederholt betont, dass es selbstverständlich reale Opfer sexueller Gewalt gibt. Gleichzeitig etabliert sich ein Grundton, in dem Opfersein als psychologisch lohnendes Narrativ erscheint – als Deutung, die Ordnung schafft, Sinn stiftet, moralische Klarheit bietet. Damit wird nicht mehr nur die Wahrheit einzelner Aussagen geprüft, sondern die Motivation des Sprechens selbst unter Verdacht gestellt.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Folgen für Opfer sexuellen Missbrauchs – unabhängig von RG-MC</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Die Folgen dieser Verschiebung sind erheblich – und sie betreffen <strong>reale Betroffene</strong> sexuellen Missbrauchs unabhängig von jeder Verschwörungstheorie. Wenn Opfersein als identitätsstiftend geframt wird, entsteht ein zusätzlicher Rechtfertigungsdruck. Betroffene müssen nicht nur über Gewalt sprechen, sondern zugleich beweisen, dass sie daraus keinen psychologischen oder sozialen „Gewinn“ ziehen. Anerkennung wird zur Verdachtskategorie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders hart trifft dies Menschen mit fragmentierten Erinnerungen, späten Offenlegungen oder komplexen Biografien. Ihre Erfahrungen sind oft schwer belegbar, ihr Sprechen ohnehin riskant. In einem Diskurs, der Opfern unterstellt, ihr Leid könne eine Funktion erfüllen, verschiebt sich die Beweislast endgültig zu ihren Ungunsten. Nicht mehr das Geschehen steht im Zentrum, sondern die Frage nach der Lauterkeit des Erzählens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So entsteht eine paradoxe Situation: Aus Angst vor falschen Beschuldigungen wird ein Klima erzeugt, das reale Opfer zum Schweigen bringt. Nicht durch offene Leugnung, sondern durch ein strukturelles Misstrauen, das Verletzlichkeit selbst problematisiert. Der Schutz vor Irrtum kippt in ein Misstrauensregime.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die notwendige Kritik an Verschwörungserzählungen und therapeutischen Fehlentwicklungen darf diesen Preis nicht haben. Aufklärung, die die Grenze zwischen ideologischer Konstruktion und individueller Gewalterfahrung nicht wahrt, verfehlt ihren eigenen Anspruch – und wird selbst zur Gefahr für jene, die ohnehin schon den höchsten Preis gezahlt haben.</p>



<center><hr style="width: 500px; border: none; height: 2px; background: linear-gradient(to right, #0E2C40, #1A4A5A, #51a2bd); margin: 30px 0;"></center>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-base-background-color has-background has-fixed-layout"><tbody><tr><td><strong>Eine Bitte an die Skeptiker</strong><br><strong><br></strong>Skepsis ist ein wertvolles Werkzeug. Sie schützt vor Irrtum, vor Ideologie, vor blinder Gefolgschaft. Aber wie jedes Werkzeug braucht sie Maß. <br>Vielleicht lohnt es sich, an dieser Stelle innezuhalten und sich eine einfache Frage zu stellen: Worauf richtet sich unsere Skepsis gerade – auf überprüfbare Aussagen oder auf das Sprechen über Leid selbst?<br>Denn zwischen der notwendigen Kritik an Verschwörungserzählungen und dem pauschalen Misstrauen gegenüber Opfererzählungen verläuft eine feine, aber entscheidende Linie.<br>Aufklärung muss nicht kalt sein, um klar zu sein. Und Rationalität gewinnt nichts, wenn sie sich vom Mitdenken verabschiedet. Wer den Missbrauch von Opferdiskursen kritisieren will, sollte darauf achten, nicht ungewollt jene zu treffen, deren Stimmen ohnehin fragil sind.<br>Vielleicht ist es gerade eine Stärke skeptischen Denkens, sich dieser Grenze bewusst zu bleiben – und sie nicht zu überschreiten.</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Hinweis: </strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Interview mit Urbaniok befindet sich hinter einer Bezahlschranke. <strong><a href="https://archive.vn/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hier</a></strong> kann man das <a href="https://www.welt.de/politik/deutschland/plus693c346835d03c76a695e0f3/gefaehrliche-entwicklung-wie-therapeuten-ihren-patienten-sexuellen-missbrauch-einreden.html" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Welt</em>-Interview</a>&nbsp;in Gänze lesen.</p>



<center><hr style="width: 300px; border: none; height: 2px; background: linear-gradient(to right, #0E2C40, #1A4A5A, #51a2bd); margin: 30px 0;"></center>



<h4 class="wp-block-heading">Nachtrag / Klarstellung</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Veröffentlichung dieses Textes hat Bernd Harder in den Kommentaren zu seinem Artikel eine Präzisierung vorgenommen. Er weist darauf hin, dass er das von Frank Urbaniok zitierte Statement in einem konkreten Kontext verstanden wissen möchte, nämlich bezogen auf einen spezifischen Extremfall aus dem sogenannten Münsteraner Gutachten (<a href="https://www.bistum-muenster.de/fileadmin/user_upload/Website/Downloads/Themenseiten/Rituelle-Gewalt/2025-10-09-Untersuchungsbericht-RG.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">S. 114 ff.</a>), der dem Bereich der rituellen-Gewalt-Verschwörung zuzuordnen ist. Zudem ergänzt er das Urbaniok-Interview um eine Passage, in der dieser ausdrücklich Solidarität mit realen Opfern sexueller Gewalt betont und vor einer pauschalen Infragestellung von Betroffenen warnt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Klarstellung ist sachlich korrekt und trägt zur besseren Einordnung bei. Sie ändert jedoch nichts an der im Artikel formulierten Kritik an der ursprünglichen Formulierung „nicht selten“ (Urbaniok). Diese bleibt aus wissenschaftlicher und diskursiver Sicht problematisch, da sie ohne ausreichende Eingrenzung eine Häufigkeit suggeriert, die über den konkret benannten Extremfall hinausweist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade weil die Abgrenzung zwischen ideologischen Konstrukten und realen Gewalterfahrungen so sensibel ist, halte ich es für notwendig, diesen Punkt transparent zu benennen – auch unter Berücksichtigung der nachträglichen Präzisierung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommentare im Skeptix-Artikel: Von Bernd Harder <a href="https://skeptix.org/2025/12/19/rituelle-gewalt-und-flascherinnerungen-von-den-schwarzen-und-blinden-flecken-einer-verschwoerungstheorie/#comment-1354" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> und <a href="https://skeptix.org/2025/12/19/rituelle-gewalt-und-flascherinnerungen-von-den-schwarzen-und-blinden-flecken-einer-verschwoerungstheorie/#comment-1356" target="_blank" rel="noreferrer noopener">hier</a> und <a href="https://skeptix.org/2025/12/19/rituelle-gewalt-und-flascherinnerungen-von-den-schwarzen-und-blinden-flecken-einer-verschwoerungstheorie/#comment-1359" target="_blank" rel="noreferrer noopener">von mir</a>. </p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>Pro Ana &#8211; die Gefahr von Instagram &#038; TikTok</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Feb 2024 13:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Nach dem langsamen "Untergang" von Webforen, galt eine Zeit lang die Plattform tumblr, als "go-to place" für die Pro Ana Community. Es gab eine große Anzahl an einschlägigen Pro Ana-Seiten, die als quasi öffentliche Tagebücher die innere Welt der Essstörungs-Betroffenen drastisch offenlegte - solange bis tubmlr seine Nutzungsbedingungen anpasste und jeglichen Content verbot, der Essstörungen oder Selbstverletzung propagierte. In einem Statement der Plattform aus dem Jahr 2012 wurde festgehalten, dass anstatt von Hashtags wie #proana und vielen anderen in Zukunft Public Service Announcements (PSAs) gezeigt würden. </p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Pro Ana &#8211; die Gefahr von Instagram &amp; TikTok</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Nach dem langsamen &#8222;Untergang&#8220; der Webforen galt eine Zeit lang die Plattform tumblr als &#8222;go-to place&#8220; für die Pro Ana Community. Es gab eine große Anzahl an einschlägigen Pro Ana Seiten, die als öffentliche Tagebücher die innere Welt der Essstörungs-Betroffenen drastisch offenlegten &#8211; solange bis tumblr seine Nutzungsbedingungen anpasste und jeglichen Content verbot, der Essstörungen oder Selbstverletzung propagierte. <a href="https://web.archive.org/web/20120305200245/http://staff.tumblr.com/post/18132624829/self-harm-blogs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">In einem Statement der Plattform aus dem Jahr 2012</a> wurde festgehalten, dass anstatt von Hashtags wie <em>#proana</em> und vielen anderen in Zukunft Public Service Announcements (PSAs) gezeigt würden. Daneben legte <a href="https://staff.tumblr.com/post/18132624829/self-harm-blogs" target="_blank" rel="noreferrer noopener">tumblr</a> eine rote Linie fest, dass es eben nicht darum ging, Onlinediskussionen über die Thematik zu verbieten, sondern lediglich verharmlosende und Anorexie-fördernden Blogs verboten werden sollten: <em>&#8222;Don’t post content that actively promotes or glorifies self-injury or self-harm. This includes content that urges or encourages readers to cut or mutilate themselves; embrace anorexia, bulimia, or other eating disorders; or commit suicide rather than, e.g., seek counseling or treatment for depression or other disorders. Online dialogue about these acts and conditions is incredibly important; this prohibition is intended to reach only those blogs that cross the line into active promotion or glorification.&#8220; </em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch der Dienst Pinterest <a href="https://www.huffpost.com/entry/pinterest-terms-of-service-update_n_1379486?1332780457" target="_blank" rel="noreferrer noopener">folgte kurze Zeit später</a> mit ebenfalls aktualisierten Nutzungsbedingungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Diese inhaltlichen Sperrungen von Anbieterseite sorgten u.a. dafür, dass sich die Szene rasch auf die zu jener Zeit ohnehin boomende Plattform Instagram verlagerte, die als bildbasiertes Medium für Jahre das &#8222;Eldorado&#8220; im negativen Sinne für die Verherrlichung von Essstörungen werden sollte. Die Huffington Post berichtete im März 2012 über erschreckende Zahlen: Über 30.000 Fotos der Plattform Instagram waren mit dem Hashtag &#8222;<em>Thinspo</em>&#8220; versehen und 13.000 mit dem Hashtag &#8222;<em>ana</em>&#8222;. Dazu kam unzähliger Content über Selbstverletzungen, der teilweise frische Schnittverletzungen und Narben zeigte.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Das Unternehmen versuchte seit Beginn die Pro Ana Szene einzudämmen und sperrte immer mehr Hashtags, wie u.a. die beiden oben genannten. Ein Problem war jedoch, dass innerhalb der Community neue Hashtags kreiert wurden, die sich durch geringfügige und bewusste Schreibunterschiede von den Originalen unterschieden. Bis diese ebenfalls vom technischen Such-Filter erfasst werden konnten, dauerte es zumeist.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Zudem waren und sind viele der einschlägigen Accounts von Anhängerinnen der Pro Ana-Szene im Modus &#8222;privat&#8220; geführt, dh. der Content wird nur nach bestätigter Follow-Anfrage sichtbar. Viele Accounts haben zudem Phrasen wie &#8222;<em>don&#8217;t report, just block</em>&#8220; in der Selbstbeschreibung bzw. die Info über einen Backupaccount, falls der Hauptaccount plötzlich gesperrt würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px"><a href="https://web.archive.org/web/20190208165046/https://www.theguardian.com/technology/2019/feb/08/instagram-urged-to-crack-down-on-eating-disorder-images" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Medienberichte</a> aus 2019 wiesen auf die unveränderte Epidemie an einschlägigen Inhalten auf der Plattform hin. Zwei Jahre später, im Jahr 2021, <a href="https://web.archive.org/web/20210427182513/https://www.bbc.com/news/technology-56750088" target="_blank" rel="noreferrer noopener">berichtete die BBC</a> über den gefährlichen Algorithmus, welcher aufgrund der Suchanfragen und Interaktionen immer weiteren Content vorschlug, der für bereits Essstörungs-Gefährdete immer neue destruktive Trigger darstellte. Dies galt ebenso für automatisch vorgeschlagene Profile, welche sich ebenfalls in der Szene bewegten &#8211; und zwar auch solche, die eigentlich aufgrund der bisherigen Followerzahlen nur eine geringe Reichweite hatten, aber dennoch vom Algorithmus breit gestreut wurden. Dies resultierte sogar in einer <a href="https://web.archive.org/web/20210425202935/https://www.theguardian.com/technology/2021/apr/15/instagram-apologises-for-promoting-weight-loss-content-to-users-with-eating-disorders" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Entschuldigung seitens Instagram</a> dafür, dass &#8222;weight loss&#8220;-Content Usern angeboten wurde, die bereits an einer Esssstörung litten.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein weiteres Problem stellen sogenannte Recovery-Accounts dar. Diese sind nach den Nutzungsbedingungen von Instagram erlaubt und enthalten teilweise Disclaimer, dass sie eben <em>nicht</em> Pro Ana supporten würden. In Teilen mag dies durchaus der Fall sein, jedoch laufen auch solche Accounts Gefahr, ein verzerrtes Bild über die Genesung nach einer Essstörung zu vermitteln. Zumeist werden dort &#8211; neben abgemagerten Aufnahmen aus der Extremzeit der eigenen Anorexie &#8211; täglich besonders schön dekorierte Mahlzeiten abfotografiert, vornehmlich von Süßspeisen. Dazu gibt es Bilder von Sporteinheiten, um nach dem extremen Abnehmen Muskeln aufzubauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In Folge bilden sich eigene Bubbles an Usern, wo man &#8222;dazugehören&#8220; möchte. Auf den ersten Blick wirkt dies durchaus gesund und förderlich, jedoch täuscht es leider nur zu oft über den steinigen Weg eines echten Genesungsprozesses nach einer schweren Anorexie hinweg. Es reicht eben nicht, &#8222;einfach mal mehr zu essen&#8220;, wie es oft von Recovery Accounts vermitteln wird. Damit können zwar durchaus lebenswichtige Kilos zugenommen werden, aber die Ursachen und Wurzeln einer Essstörung lassen sich nicht alleine durch Zunehmen lösen, sondern bedürfen einer oft langwierigen professionellen Hilfe bzw. Therapie. Zudem werden von diesen Accounts sehr oft Light Produkte angepriesen, wie solche einer großen deutschen Firma, die zuckerfreie Nahrungsmittel auf Basis von u.a. dem Zuckeraustauschstoff Sucralose anbietet. Diese zuckerfreien High Protein-Produkte werden nicht nur zum Abnehmen benutzt, sondern auch unter Esssgestörten als Möglichkeit gesehen, sich Süßspeisen &#8222;gönnen&#8220; zu können. Dass dabei jedoch kein gesundes Esssverhalten trainiert wird, sondern dieses weiterhin auf Restriktionen basiert, fällt komplett unter den Tisch, wenn derartige Light Produkte in großem Stil von Instagram-Influencern mit Rabattcodes und ähnlicher Promotion beworben werden.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Instagram im Jahr 2024</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Was sind die aktuellen Bemühungen von Instagram, um der Ausbreitung von Pro Ana-Material Einhalt zu gebieten? In den <a href="https://web.archive.org/web/20240417161717/https://transparency.meta.com/de-de/policies/community-standards/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">aktuellen Community-Richtlinien auf den Hilfeseiten der Plattform</a> heißt es dazu: <em>&#8222;Die Instagram-Community ist ein Ort der Rücksichtnahme, an dem Personen mit schwerwiegenden Problemen wie Essstörungen oder der Neigung zum Ritzen oder anderen Formen der Selbstverletzung oft miteinander in Kontakt treten, um auf ihre Probleme aufmerksam zu machen oder Unterstützung zu erhalten. Wir versuchen, unseren Teil dazu beizutragen, indem wir in der App und im <a href="https://help.instagram.com/">Hilfebereich</a> nützliche Informationen bereitstellen, damit die Menschen die notwendige Hilfe erhalten können. Die Ermutigung oder das Drängen anderer zu <a href="https://www.facebook.com/communitystandards/suicide_self_injury_violence" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Selbstverletzung</a> verstößt gegen die Grundsätze einer fürsorglichen Umgebung. Deshalb entfernen wir entsprechende Inhalte oder deaktivieren zugehörige Konten, wenn wir entsprechende Meldungen erhalten.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Daneben wird auf die <a href="https://transparency.meta.com/de-de/policies/community-standards/suicide-self-injury/?source=https%3A%2F%2Fwww.facebook.com%2Fcommunitystandards%2Fsuicide_self_injury_violence">Richtlinien des Meta Konzerns für Facebook</a> hingewiesen, welche das Thema Selbstverletzung und Essstörung betreffen: <em>&#8222;Wir gestatten nicht, dass Suizid, Selbstverletzung oder Essstörungen absichtlich oder unabsichtlich verherrlicht oder gefördert werden. Wir lassen jedoch zu, dass Nutzer Diskussionen zu diesen Themen führen, denn wir möchten, dass Facebook ein Ort ist, an dem die Menschen ihre Erfahrungen teilen, für solche Themen sensibilisieren und sich gegenseitig unterstützen können. (&#8230;)&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Doch diese Selbstregulierung auf Anbieterseite für potenziell gefährliche Pro Ana-Inhalte funktioniert nur teilweise. Wie bereits dargelegt, erscheint bei Sucheingabe von gewissen Hashtags (wie dem absolut gesperrten Suchbegriff &#8222;<em>pro ana</em>&#8222;) zwar eine Infoseite mit den Worten &#8222;<em>Du kannst Hilfe erhalten</em>&#8220; sowie Verweise auf eine länderspezifische Helpline wie &#8222;<em>Rat auf Draht</em>&#8220; bzw. der Telefonseelsorge oder dem Tipp, Freunde anzurufen. Doch dies ist nur ein Mosaiksteinchen im Kampf gegen die Online Pro Ana-Szene. Denn bei Abfrage von anderen einschlägigen Hashtags &#8211; die an dieser Stelle bewusst namentlich nicht genannt werden &#8211; folgt neben dem Hinweis auf die Hilfsmöglichkeiten unter dem Disclaimer <em>&#8222;Words you&#8217;re searching for are often associated with sensitive content&#8220;</em> auch die Option <em>&#8222;continue to search results&#8220;</em>. Danach ist ein Abrufen des Suchergebnisses trotzdem möglich.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Neben Instagram macht jüngst insbesondere ein Medium mit Schlagzeilen rund um die Verherrlichung von Essstörungen auf sich aufmerksam: TikTok.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Die Problematik auf TikTok</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Es scheint, als sei die Pro Ana Szene gegenwärtig erneut in Teilen weitergezogen &#8211; und zwar diesmal auf die Kurzvideo-Plattform TikTok, die gerade unter Jugendlichen extrem populär ist. Als Nachfolgerin der beliebten App musical.ly ist sie seit Gründung 2017 die am schnellst wachsende App weltweit &#8211; ca. zwei Drittel aller amerikanischen Teenager nutzt diesen Dienst der chinesischen Firma ByteDance.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">TikTok steht mittlerweile international unter Kritik, nicht nur wegen jugendschutzrechtlicher Bedenken, sondern auch wegen Problemen mit dem Datenschutz bzw. Spionage und Zensur zugunsten der Regierung Chinas. Bezogen auf die Verherrlichung von Essstörungen hat die Plattform dieselbe Problematik wie Instagram: Erneut werden Hashtags dazu benutzt, um Pro Ana-Material zu verbreiten, wobei der Plattform-innewohnende Algorithmus bei der Distribution hilft, da er Usern ähnliche Videos vorschlägt wie solche, mit denen sie bereits interagiert haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Nach einer <a href="https://hhsbroadcaster.com/11434/world/tiktok-investigating-videos-promoting-starvation-and-anorexia-2/">Medienrecherche</a> rund um das Jahr 2020 sperrte TikTok sechs Pro Ana-Accounts und einige in der Szene sehr beliebte Hashtags. Ein Sprecher des Unternehmens wird dabei folgendermaßen <a href="https://hhsbroadcaster.com/11434/world/tiktok-investigating-videos-promoting-starvation-and-anorexia-2/">zitiert</a>: <em>&#8222;As content changes, we continue to work with expert partners, update our technology and review our processes to ensure we can respond to emerging and new harmful activities.&#8220;</em> Dass dies jedoch einem Kampf gegen Windmühlen gleicht, zeigt &#8211; wie bereits berichtet &#8211; erneut die Tendenz der User, Hashtags in anderer Schreibweise oder in der Szene bekannte Codebegriffe zu verwenden bzw. einschlägige Formulierungen lediglich in den Fließtext zu stellen. Auch die durchaus vorhandenen Bemühungen seitens TikTok, die Plattform als inklusiv darzustellen und für Body-Positivity einzutreten, wie eine <a href="https://newsroom.tiktok.com/en-us/coming-together-to-support-body-positivity-on-tiktok">Presseaussendung aus dem Jahr 2020</a> darlegt, ändern in der Praxis nur wenig.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Das<a href="https://counterhate.com/research/deadly-by-design/"> CCDH</a> (<em>Center for Countering Digital Hate</em>) veröffentlichte 2022 einen sehr kritischen <a href="https://counterhate.com/research/deadly-by-design/">Bericht</a> gegenüber TikTok, wo klar festgehalten wurde, dass die Gefahr für Kinder und Jugendliche unverändert besteht. Für die Studie des CCDH wurden zu Testzwecken neue Accounts in verschiedenen Ländern (USA, UK, Kanada und Australien) geschaffen und zwar unter Angabe des Minimum-Alters von 13 Jahren, welches die Plattform zur Benutzung ihrer Dienste erlaubt. Die <a href="https://counterhate.com/wp-content/uploads/2022/12/CCDH-Deadly-by-Design_120922.pdf">Ergebnisse</a> sind erschreckend: <em>&#8222;These accounts paused briefly on videos about body image and mental health, and liked them. What we found was deeply disturbing. Within 2.6 minutes, TikTok recommended suicide content. Within 8 minutes, TikTok served content related to eating disorders.&#8220;</em> Die Forschergruppe kreierte daneben auch weitere Accounts, die bewusst die Formulierung &#8222;<em>loseweight</em>&#8220; enthielten, um Mitglieder einer vulnerablen Teenangergruppe zu simulieren. Exakt diesen Accounts wurden vom Algorithmus der Plattform TikTok drei Mal mehr für sie gefährliche Videos vorgeschlagen und sogar zwölf Mal mehr Videos zum Thema Selbstverletzungen (vgl. <a href="https://counterhate.com/wp-content/uploads/2022/12/CCDH-Deadly-by-Design_120922.pdf">Studie</a>, S. 7).</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Nach zusammenfassenden Angaben dieses Berichts hat Content zu Essstörungen rund 13 Milliarden Views, alleine 56 problematische Hashtags konnten identifiziert werden, unter welchen diese Inhalte verbreitet wurden (vgl. <a href="https://counterhate.com/wp-content/uploads/2022/12/CCDH-Deadly-by-Design_120922.pdf">Studie</a>, S. 37). Hierbei kritisierte das Forschungsteam insbesondere den personalisierten &#8222;Für dich&#8220;-Feed, der &#8211; aufgrund des bereits angesprochenen Algorithmus &#8211; Videos basierend auf dem Klickverhalten, der Interaktionszeit und den (vermeintlichen) Interessen des Users vorschlägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Eine <a href="https://journals.library.cornell.edu/index.php/CURJ/article/view/662">Studie der Cornell Universität aus dem 2022</a> liefert ähnlich deutliche Ergebnisse: Hierfür wurde Content in Form von Postings und Kommentaren untersucht, die in der Pro Ana Szene als &#8222;<em>Thinspiration</em>&#8220; beschrieben ist. Anhand einer <a href="https://journals.library.cornell.edu/index.php/CURJ/article/view/662/624">quantitativen Auswertung wird deutlich</a>, dass damit ein äußerst ungesundes und unrealistisches Körperbild transportiert wird, was Essstörungen deutlich fördert und forciert &#8211; bei entsprechender Prädisposition noch mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die <a href="https://www.journalofhealth.co.nz/?page_id=2905&amp;fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTAAAR2fhQdxE4mUnB5jFBQroEC--HlsANlDpBd1m2_NiPeq9M0VJs8FvF1HoSo_aem_0h2o8NHnU6DmzUSJFZexbw">neuseeländische Fachzeitschrift &#8222;Journal of Health&#8220; berichtet 2023</a> über einen regelrechten Negativ-Wettbewerb auf TikTok: <em>&#8222;Many users of the app have stated that people are more or less competing with one another in an attempt to prove they are in the worst condition, or that they are the most resilient.&#8220;</em> Daneben wird auch der aktuelle Trend zu mehr Body Positivity kritisch gesehen, da auch dies zu einer ungesunden Fokussierung auf den Körper führen kann.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Betrachtet man diese Zahlen, Studien und die immer noch herrschende Vorgehensweise des Algorithmus, erscheinen sämtliche Versuche des Unternehmens für Body-Positivity einzustehen wie Augenauswischerei bzw. psychosoziales Greenwashing. Auch die kurze Darstellung zu Essstörungen auf der <a href="https://www.tiktok.com/safety/en-za/eating-disorder/">Unternehmenswebseite</a> wirkt eher verkürzt und geht nicht auf die Gefahren ein, die speziell auf TikTok für vulnerable Gruppen bestehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Etwas Positives ist dennoch festzustellen: Der deutsche <a href="https://www.jugendschutz.net/fileadmin/daten/publikationen/lageberichte/bericht_2020_selbstgefaehrdung_im_netz.pdf">Jugendschutzbericht aus dem Jahr 2020</a> zu Selbstgefährdung im Netz, der über die Gefahren von Suizid- und Selbstverletzungsverherrlichung sowie Pro Ana berichtet, vermerkt eine Löschquote von 97% bei TikTok: Damit liegt die Plattform deutlich vor den anderen populären sozialen Medien des Meta Konzerns wie Facebook, was die Reaktion auf gemeldete Beiträge bzw. deren schlussendliche Entfernung betrifft.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Dennoch darf der Aspekt der schnelleren Reaktionszeit des Unternehmens auf problematische Postings nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade TikTok unter Teenagern immer neue gefährliche Challenges liefert &#8211; wie z.B. jene nach hervorstehenden Schlüsselbeinen, auf denen für ein Foto Münzen gestapelt werden (der dazugehörende Hashtag wird an dieser Stelle bewusst nicht genannt), die schnell viral gehen. Zudem ist eine ex post-Entfernung von Problem-Postings immer einen Schritt hinterher, was proaktiven Jugendschutz angeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Für die Zukunft wäre ein verbesserter Algorithmus das Ziel bzw. dass ev. unter Einsatz von künstlicher Intelligenz schneller auf Beiträge reagiert werden kann, wenn diese essstörungsverharmlosende Inhalte aufweisen. Bis dahin bleiben TikTok &amp; Co. eine Gefahr für vulnerable junge Menschen und werden für diese Gruppe leider weiterhin dazu beitragen, Essstörungen aufrecht zu erhalten, anstatt sich zeitnah professionelle Hilfe zu holen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/">Pro Ana &#8211; die Gefahr von Instagram &amp; TikTok</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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		<title>Ist BPS eine Traumafolgestörung?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stella]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jan 2024 18:01:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[BPS]]></category>
		<category><![CDATA[Traumafolgestörung]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Frage, ob die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) als Traumafolgestörung eingestuft werden kann, ist ein äußerst relevantes und viel diskutiertes Thema. Die Meinungen in der Fachwelt gehen dazu auseinander und es gibt interessante Erkenntnisse.</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die Frage, ob die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) als Traumafolgestörung eingestuft werden kann, ist ein äußerst relevantes und viel diskutiertes Thema. Die Meinungen in der Fachwelt gehen dazu auseinander und es gibt interessante Erkenntnisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zusammenhang zwischen BPS und Trauma:</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist bekannt, dass ein hoher Anteil von Menschen mit BPS traumatische Erlebnisse in ihrer Kindheit gemacht hat. Studien belegen, dass etwa bis zu 96 % der Betroffenen von traumatischen Erfahrungen wie Vernachlässigung, psychischer, körperlicher oder sexueller Gewalt berichten. Traumata, die mit BPS in Zusammenhang stehen, umfassen jedoch nicht nur Missbrauch oder Vernachlässigung, sondern oft auch Bindungstraumata. Diese entstehen durch instabile, unsichere oder ambivalente Beziehungen zu primären Bezugspersonen, die tiefgreifende Auswirkungen auf die emotionale Regulation und die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung haben können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem zeigen neurobiologische Untersuchungen, dass bei Personen mit BPS ähnliche Hirnveränderungen auftreten wie bei Menschen mit klassischen Traumafolgestörungen. Dies deutet darauf hin, dass es möglicherweise eine gemeinsame Ursache gibt. Auch epigenetische Faktoren spielen hier eine Rolle: Traumatische Erlebnisse können genetische Prozesse beeinflussen, die mit Stressverarbeitung und emotionaler Regulation in Zusammenhang stehen. Dies könnte erklären, warum manche Menschen nach Traumata eine BPS entwickeln, während andere nicht betroffen sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Diagnostische Einordnung:</strong> </p>



<p class="wp-block-paragraph">In den aktuellen Diagnosesystemen, wie dem DSM-5 und der ICD-11, wird die BPS als Persönlichkeitsstörung klassifiziert. Diese Einordnung basiert auf spezifischen diagnostischen Kriterien, die nicht zwingend eine Vorgeschichte von Trauma voraussetzen. Gleichzeitig gibt es jedoch eine kontroverse Diskussion unter Experten: Einige argumentieren, dass die BPS als eine Form der komplexen Posttraumatischen Belastungsstörung (kPTBS) betrachtet werden sollte, da sich viele Symptome und Ursachen überschneiden. Andere hingegen betonen, dass nicht alle Fälle von BPS auf traumatische Erfahrungen zurückzuführen sind, was eine klare Abgrenzung erforderlich macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl BPS und kPTBS oft ähnliche Symptome zeigen – wie emotionale Instabilität, impulsives Verhalten und zwischenmenschliche Probleme –, gibt es Unterschiede. Bei BPS stehen häufig tiefgreifende Ängste vor dem Verlassenwerden und Schwierigkeiten mit der Identität im Vordergrund. Bei kPTBS sind hingegen Flashbacks, Dissoziation und ein starkes Gefühl der emotionalen Betäubung dominanter. Diese Unterschiede unterstützen die Ansicht, dass es sich um verwandte, aber dennoch unterschiedliche Störungsbilder handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Therapeutische Implikationen:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Unabhängig von der diagnostischen Einstufung ist es in der Therapie entscheidend, die individuelle Trauma-Historie der Betroffenen zu berücksichtigen. Die Behandlung sollte sowohl die Persönlichkeitsaspekte als auch mögliche Traumafolgen adressieren. Die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) hat sich als besonders wirksam bei der Behandlung von BPS erwiesen, auch bei Betroffenen mit traumatischen Vorerfahrungen. Ergänzend kann ein traumafokussierter Ansatz wie die traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie (Tf-CBT) hilfreich sein, um spezifisch auf die Bearbeitung von Traumafolgen einzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darüber hinaus tritt BPS nicht selten zusammen mit kPTBS auf, weshalb eine sorgfältige Diagnose notwendig ist, um alle relevanten Symptome angemessen zu behandeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Präventive Ansätze:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Prävention von BPS durch frühe Interventionen in belasteten Familien und bei Kindern mit traumatischen Erfahrungen ist ein wichtiges Forschungsfeld. Hier spielen stabile Bindungen, Zugang zu psychologischer Unterstützung und die Förderung emotionaler Kompetenzen eine entscheidende Rolle. Zudem betonen Wissenschaftler die Bedeutung sozialer und kultureller Faktoren, da instabile soziale Umfelder oder ein geringer sozialer Rückhalt das Risiko für Traumata und die Entwicklung einer BPS erhöhen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Fazit:</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Obwohl viele Menschen mit BPS traumatische Erfahrungen gemacht haben, wird die Störung derzeit nicht einheitlich als Traumafolgestörung klassifiziert. Die Diskussion darüber ist jedoch im Gange, und zukünftige Forschung könnte zu einer Neubewertung führen. Es bleibt entscheidend, dass Therapien individuell angepasst werden, um sowohl die Persönlichkeitsmerkmale als auch die möglichen Traumafolgen effektiv zu behandeln.</p>



<center><hr style="width: 300px; border: none; height: 2px; background: linear-gradient(to right, #0E2C40, #1A4A5A, #51a2bd); margin: 30px 0;"></center>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Quellen:</strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://link.springer.com/article/10.1007/s00115-012-3489-6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Traumafolgestörungen bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung</a></li>



<li><a href="https://www.spektrum.de/magazin/ist-borderline-eine-traumafolgestoerung/2028103" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Leben mit einer dünnen Haut</a></li>



<li><a href="https://psychiatrie.tirol-kliniken.at/data.cfm?vpath=kinder--u-jugendpsychiatrie%2Fpdf-dateien%2Fdr-m-schmid-vortrag-kongress-2017" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen komplexer PTBS und Borderline-Persönlichkeitsstörungen</a></li>



<li><a href="https://www.psychologische-fachgutachten.de/psychotraumatologie/traumatisierung-und-bindungsstoerung/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Traumatisierung und Bindungsstörung</a></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>WhatsApp-Gefahr: Pro Ana-Gruppen &#038; Coaches</title>
		<link>https://analytische-kritik.de/alle/whatsapp-gefahr-pro-ana-gruppen-coaches/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jan 2024 13:04:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://analytische-kritik.de/?p=309</guid>

					<description><![CDATA[<p>Neben der generellen Gefahr durch Pro Ana-Gruppen sind es Männer mit pädophilen Neigungen, die das Gefährlichkeitspotenzial für Teenager und junge Menschen nochmals verschärft haben. Auf Kontakt-Suchbörsen der Pro-Ana-Szene geben viele User nicht nur anonyme Emails an, sondern auch ihre Telefonnummern für direkte Kontaktmöglichkeit auf WhatsApp, insbesondere wenn sie sich "Ana-Twins", also Abnehmpartner_innen, erhoffen. Diese Einträge auf den Suchbörsen gehen sehr oft Jahre zurück, dh. die Telefonnummern von zumeist Minderjährigen sind auf diese Weise leicht auffindbar - auch für sogenannte "Ana-Coaches". </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/whatsapp-gefahr-pro-ana-gruppen-coaches/">WhatsApp-Gefahr: Pro Ana-Gruppen &amp; Coaches</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>WhatsApp-Gefahr: Pro Ana-Gruppen &amp; Coaches</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein Kennzeichen der Pro Ana-Bewegung war von Anfang an deren Verheimlichung und der Wunsch, &#8222;unter sich&#8220; zu sein. Dieser angestrebten Exklusivität kommen geschlossene WhatsApp Gruppen entgegen, die vor allem eines sind: einer der gefährlichsten Tummelplätze für essgestörte Menschen. Diese Gruppen unterliegen keinerlei Kontrollmöglichkeiten des Jugendschutzes, es gibt keine Chance, sie z.B. auf den Index zu setzen, wie es bei Webseiten, die Essstörungen verherrlichen, der Fall sein kann (<a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/begriffserklaerung-und-allgemeines/pro-ana-und-jugendschutz/">Siehe den Beitrag zum Thema Jugendschutz</a>).</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch wenn es &#8211; zum Glück &#8211; im Laufe der letzten Jahre etwas schwieriger geworden ist, derartige Gruppen zu finden, bleiben diese neben den sozialen Medien wie TikTok (<a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">wir haben berichtet</a>) eine Gefahr für Leib und Leben &#8211; im wörtlichen Sinne. Immer noch (wenn auch in weitaus geringerer Anzahl) finden sich auch auf diversen Pro Ana-Suchbörsen Links zu &#8222;Vorgruppen&#8220; bzw. anonymen Kontaktmöglichkeiten via Emailadressen oder Kik-Chat. Letzterer scheint besonders beliebt zu sein, da er eine Video Funktion beinhaltet, um Fake Checks zu machen, denn insbesondere gegen Fakes wollen sich derartige Gruppen absichern bzw. gegen Männer mit pädophilen Neigungen (dazu unten mehr).</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Als Mitglied einer derartigen Pro Ana-Gruppe muss ein Steckbrief ausgefüllt werden: HG, TG, WG, CW und so weiter. Die Abkürzungen sind als Codes in der Szene gut bekannt und stehen für Höchstgewicht, Tiefstgewicht, Wunschgewicht, Current Weight, also gegenwärtiges Gewicht. Auch die Regeln sind in vielen Gruppen ähnlich: Manche geben ein Mindestalter für den Beitritt an (manchmal 14, 15 Jahre, teilweise 18) sowie einen bestimmten Mindest- oder Höchst-BMI. Gefordert werden zudem eine aktive Teilnahme am Gruppenleben sowie oft das Posten von Wiegebildern, das heißt, die abfotografierte Waage, die ohnehin jeder von Essstörungen betroffener Mensch daheim hat, und/oder Ganzkörperbilder. Auch das tägliche Verschicken von Screenshots von Abnehm-Apps, auf denen man die täglichen Kalorien protokollieren kann sowie gemeinsame Fasttage bzw. generelle Kalorienlimits sind üblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ähnlich wie bei den früheren Pro Ana-Foren werden die Gruppen von einer oder mehreren Admins geleitet, welche auch für die Einhaltung der Gruppenregeln sorgen. Diese Kontrolle kann sich in mehr oder weniger strengen Sanktionen äußern, z.B. wenn vergessen wurde, bis Mitternacht ein Waagebild zu schicken. Die Folgen sind Verwarnungen, die Vergabe von Strafpunkten bzw. der Rauswurf aus der Gruppe. Meist bestehen derartige WhatsApp Gruppen jedoch nicht so lange wie frühere Webforen, es herrscht üblicherweise ein Kommen und Gehen von Mitgliedern, was den persönlichen Kontakt untereinander nicht mehr so intensiv werden lässt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Pädophile als &#8222;Pro-Ana-Coaches</strong>&#8222;</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Neben der generellen Gefahr durch Pro Ana-Gruppen sind es Männer mit pädophilen Neigungen, die das Gefährlichkeitspotenzial für Teenager und junge Menschen nochmals verschärft haben. Auf Kontakt-Suchbörsen der Pro-Ana-Szene geben viele User nicht nur anonyme Emailadressen an, sondern auch ihre Telefonnummern für direkte Kontaktmöglichkeit auf WhatsApp, insbesondere wenn sie sich &#8222;Ana-Twins&#8220;, also Abnehmpartner_innen, erhoffen. Diese Einträge auf den Suchbörsen gehen sehr oft Jahre zurück, dh. die Telefonnummern von zumeist Minderjährigen sind auf diese Weise leicht auffindbar &#8211; auch für sogenannte &#8222;Ana-Coaches&#8220;. Mit WhatsApp Gruppen hat die Anonymität der alten Webforen, wo sich User hinter Pseudonymen wie &#8222;FairyAngel&#8220;, &#8222;Mondschein&#8220; o.ä. verbergen konnten, ein Ende genommen &#8211; ein zusätzliches Risiko.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Denn unter dem Deckmantel, ein sogenannter &#8222;Coach&#8220; zu sein und zum Abnehmen anzutreiben, nehmen v.a. Männer mit pädophilen Neigungen Kontakt mit Minderjährigen (aber auch jungen Frauen über 18) auf, um sich letztendlich Bilder in Unterwäsche oder Nacktfotos von diesen schicken zu lassen. Dazu setzen diese &#8222;Coaches&#8220; auch eindeutige Inserate auf Such-Seiten, wo z.B. als Offert angeboten wird, die &#8222;Kontrolle der Nahrungsaufnahme und des Sports&#8220; zu übernehmen. Voraussetzung für die Teilnahme sei, &#8222;keine Probleme mit Selbstbestrafung zu haben&#8220; und willkommen wären &#8222;Anas, Borderlinerinnen und SVV-Anas bzw. Mias&#8220;, die auch bereit sind &#8222;Figurfotos&#8220; zu schicken. Mit einer derartigen Annonce wird gezielt Jagd auf vulnerable Menschen mit Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen gemacht, um diese virtuell auszubeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Dabei kann auch &#8211; neben der Missbrauchssituation selbst &#8211; eine gefährliche emotionale Abhängigkeit der vulnerablen Minderjährigen von den &#8222;Coaches&#8220; entstehen, wenn diese als vermeintlich Vertraute und im Extremfall als Seelenverwandte beim Wunsch, immer dünner zu werden, angesehen werden. Genau auf dieses Grooming-Verhalten von Tätern geht auch eine <a href="https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/eat.24074">aktuelle Studie aus dem Herbst 2023</a>, veröffentlicht im &#8222;<em>International Journal of Eating Disorders</em>&#8222;, ein. Dafür wurden Interviews mit Betroffenen geführt sowie Fake-Profile auf Plattformen angelegt.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Medienberichte und Selbstversuch</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Im Laufe der letzten Jahre gab es zahlreiche Medienberichte über die Gefahr von Coaches, so z.B. eine Reportage in der <a href="https://www.ardmediathek.de/video/puls-reportage/wie-gefaehrlich-sind-anorexie-coaches/br-de/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzcxY2VmNzNkLTY3MzUtNDVkYi04OTBjLTdjZjc5ZDE1ODBmOA">ARD-Mediathek</a> oder diverse Artikel, für deren Recherche sich Journalisten als Minderjährige ausgaben und danach über ihre Erfahrungen mit diesen Coaches berichteten. Mittlerweile ist das Thema nicht mehr neu und es herrscht eine gewisse Sensibilisierung der Öffentlichkeit für diese Art des Online-Missbrauchs von Jugendlichen. Auch auf den Pro Ana-Suchplattformen mehren sich die Warnungen anderer User, nicht mit derartigen Coaches Kontakt aufzunehmen. Es ist also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das Wissen um die Gefahr durch Pädophilie und (sexuelle) Ausbeutung inzwischen in der Pro Ana-Szene angekommen und allseits bekannt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wie sieht es mit der Strafverfolgung aus? Ein <a href="https://uitspraken.rechtspraak.nl/details?id=ECLI:NL:RBGEL:2013:2467">Urteil aus den Niederlanden</a> aus dem Jahr 2013 nimmt explizit auf den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen im Kontext der gezielten Förderung von Essstörungen Bezug. Doch es kommt &#8211; leider wie so oft &#8211; nur in den aller wenigsten Fällen zu Strafanzeigen gegen Online-Täter und die Dunkelzimmer dürfte, auch aus Scham auf Opferseite, hoch sein. Für Polizei und Behörden ist es meist nahezu unmöglich, Täter auszuforschen bzw. gibt es nur wenige Berichte über polizeiliche Ermittlungen. Es scheint fast so, als wären Chatgruppen und Chat-Apps die Büchse der Pandora für pädophile Internetkriminalität, wo gezielt junge Menschen mit Essstörungen ins Visier genommen werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Derartige Chat-Apps gibt es viele, ein in Deutschland sehr bekannter Anbieter ist <em>Kik</em>. In den dortigen <a href="https://kikhelpcenter.zendesk.com/hc/en-us/articles/4402358258971-Kik-Community-Standards">Community Richtlinien</a> heißt es zwar klar: <em>&#8222;Do not promote or glorify self-harm — including cutting, eating disorders, and suicide. We encourage discussions that raise awareness, provide support, and promote recovery for those struggling with self-harm. While dialogue about these topics is important, we will remove any posts that cross the line into promoting or glorifying self-harm. Let us know if you see someone on Kik discussing harming themselves or others.&#8220;</em></p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:50%">
<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Das heißt, die Plattform <em>Kik</em> erlaubt öffentliche Austauschgruppen zu Themen wie Essstörungen unter obig zitierten Gesichtspunkten. Doch ein kurzer Selbstversuch aus dem Frühsommer 2024 zeigt: Direkt nach Betreten einer solchen Chatgruppe &#8211; ohne jegliche Interaktion darin &#8211; bekomme man binnen drei Minuten eine Privatnachricht, die lediglich aus einem Satz besteht: &#8222;<em>Are you looking for a coach?</em>&#8222;</p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:50%"><div class="wp-block-image">
<figure data-wp-context="{&quot;imageId&quot;:&quot;6aa9631d82c17&quot;}" data-wp-interactive="core/image" data-wp-key="6aa9631d82c17" class="aligncenter size-full is-resized wp-lightbox-container"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="921" height="825" data-wp-class--hide="state.isContentHidden" data-wp-class--show="state.isContentVisible" data-wp-init="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--click="actions.showLightbox" data-wp-on--load="callbacks.setButtonStyles" data-wp-on--pointerdown="actions.preloadImage" data-wp-on--pointerenter="actions.preloadImageWithDelay" data-wp-on--pointerleave="actions.cancelPreload" data-wp-on-window--resize="callbacks.setButtonStyles" src="https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/06/447620074_1638145520336654_492627192397327421_n-1.jpg" alt="" class="wp-image-398" style="width:195px;height:auto" srcset="https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/06/447620074_1638145520336654_492627192397327421_n-1.jpg 921w, https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/06/447620074_1638145520336654_492627192397327421_n-1-300x269.jpg 300w, https://analytische-kritik.de/wp-content/uploads/2024/06/447620074_1638145520336654_492627192397327421_n-1-768x688.jpg 768w" sizes="(max-width: 921px) 100vw, 921px" /><button
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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Das Risiko für Minderjährige und essstörungsgefährdete, vulnerable Personengruppen bleibt also immens hoch, so lange es keine Möglichkeit gibt, Grooming-Verhalten in Privatnachrichten auf derartigen Chat-Plattformen zu unterbinden. Und eine solche ist derzeit nicht in Sicht.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/whatsapp-gefahr-pro-ana-gruppen-coaches/">WhatsApp-Gefahr: Pro Ana-Gruppen &amp; Coaches</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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		<title>Pro Ana und Jugendschutz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Dec 2023 13:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Ana]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die deutsche Politik bzw. der deutsche Jugendschutz beschäftigen sich seit Jahren mit dem Problemfeld Pro Ana. So verlinkt z.B. eine Broschüre des Familienministeriums hierzu Anlaufstellen und Hilfemöglichkeiten. Die Webseite Jugendschutz.net ist federführend in der Aufklärung und warnt u.a. vor einem „lebensgefährlichen „Wir-Gefühl“, das von Therapien abhält, zur Geheimhaltung animiert und immer weiter in den Strudel der Krankheit treibt.“ Bereits im Jahr 2009, also zur Hochblüte der deutschen Pro Ana Webforen, hat die 1997 gegründete Einrichtung Jugendschutz.net in einer Bundestags-Anhörung im Ausschuss für Familie, Frauen, Senioren und Jugend auf das Problem aufmerksam gemacht.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Pro Ana und Jugendschutz</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die deutsche Politik bzw. der deutsche Jugendschutz beschäftigen sich seit Jahren mit dem Problemfeld Pro Ana. So verlinkt z.B. eine <a href="https://www.bmfsfj.de/resource/blob/93692/96f2606252083cf6c5017bd9673ae466/essstoerungen-ratgeber-pdf-data.pdf">Broschüre des Familienministeriums</a> hierzu Anlaufstellen und Hilfemöglichkeiten. Die Webseite <a href="https://www.jugendschutz.net/themen/selbstgefaehrdung/artikel/essstoerungen-online">Jugendschutz.net</a> ist federführend in der Aufklärung und warnt u.a. vor einem<em> „lebensgefährlichen „Wir-Gefühl“, das von Therapien abhält, zur Geheimhaltung animiert und immer weiter in den Strudel der Krankheit treibt.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Bereits im Jahr 2009, also zur Hochblüte der deutschen Pro Ana Webforen, hat die 1997 gegründete Einrichtung Jugendschutz.net <a href="https://webarchiv.bundestag.de/archive/2009/0605/ausschuesse/a13/anhoerungen/anhoerung19/stellungnahmen/459a_16_13_rauchfuss.pdf">in einer Bundestags-Anhörung im Ausschuss für Familie, Frauen, Senioren und Jugend</a> auf das Problem aufmerksam gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die in dieser Stellungnahme präsentierten Zahlen sind erschreckend hoch: Seit 2006 wurden vom Jugendschutz über 670 Pro-Ana-Angebote recherchiert, bei 8 von 10 bestand dringender Handlungsbedarf (Stand: 2009). Durch Beanstandungen bei den Seitenbetreibern bzw. Anbietern von kommunikativen Diensten konnten Maßnahmen gegen die Ausbreitung dieser Webseiten ergriffen werden – mit einer Erfolgsquote von über 80 Prozent. Parallel zur Löschung der Seiten wurde eine Platzhalterseite namens <a href="http://www.anaundmia.de/">http://www.anaundmia.de</a> erstellt, die Links zu Hilfestellen enthielt, welche Provider anstatt des gesperrten Angebots bereithalten konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein weiterer Erfolg im Kampf gegen die deutsche Pro Ana Szene war die Indizierung eines Pro Ana Blogs bei blogspot im selben Jahr 2009. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdenden Medien (BPjM) setzte eine bei Google gehosteten Seite, die in Folge offline genommen wurde, <a href="https://doerre.com/jugendschutz/20081204_bpjm_index.pdf" target="_blank" rel="noreferrer noopener">auf den Index</a>. Autorin war eine minderjährige Bloggerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Rechtliche Vorgehensweise</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die Prüfung, ob diese Inhalte jugendgefährdend im Sinne des §18 JuSchG sind, erfolgt u.a. auch am Maßstab der Grundwerte der Verfassung, insbesondere Art. 1 Abs. 1 GG und Art. 6 Abs. 2 GG.131. Von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird eine Jugendgefährdung dann angenommen, wenn Medien dazu auffordern, sich oder anderen Menschen (schwere) körperliche Schäden zuzufügen, oder ein Verhalten verherrlicht bzw. verharmlost wird, das zu körperlichen Schäden führen kann. Eine Indizierung ist möglich, wenn es sich um jugendgefährdende Inhalte handelt; die Rechtsfolgen ergeben sich nach Landesrecht (Jugendmedienschutz-Staatsvertag). Sofern jugendgefährdende Inhalte vorliegen, dürfen diese nicht mehr durch Anbieter verbreitet oder sonst zugänglich gemacht werden. Falls die Einstufung als jugendgefährdend nicht erfüllt ist, ist auch eine Deklaration als &#8222;entwicklungsbeeinträchtigend&#8220; gem. §5 JMStV möglich, worunter zum Beispiel Inhalte fallen, die auf der Beibehaltung der Krankheit fokussieren und therapeutische Hilfe ablehnen &#8211; was in Pro Ana-Webforen zumeist der Fall ist. Rechtlich käme in diesem Fall eine Altersregelung oder Labeling seitens des Anbieters in Betracht. (vgl. <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/410180/742999c19d5bc36ddcc498d924c928c4/WD-10-049-15-pdf-data.pdf">Bundestag, 2015</a>, S. 30 ff.)</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Im Anlassfall der Pro Ana-Webseite der minderjährigen Betroffenen von 2009 kam es in Folge zur Abwägung der verfassungsrechtlichen Rechtsgüter Kunstfreiheit (inklusive Meinungsfreiheit) gegenüber dem ebenfalls im Verfassungsrang stehenden Jugendschutz, wobei die Behörde letzterem den Vorrang einräumte. <a href="https://doerre.com/jugendschutz/20081204_bpjm_index.pdf">In der Begründung des Indizierungsantrags wurde detailliert angeführt</a>, warum diese Webseite gemäß §18 (1) JuSchG dazu geeignet war, <em>&#8222;die Entwicklung von Kinder und Jugendlichen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu gefährden&#8220;</em>. In Folge wurde deren Inhalt als &#8222;<em>mindestens jugendgefährdend</em>&#8220; eingestuft: <em>&#8222;Die Indizierung hatte deshalb zu erfolgen, weil Kinder und Jugendliche durch das beanstandete Internet-Angebot zu einem Verhalten aufgefordert werden, mit dem sie sich selbst schwerste und lebensbedrohende Schänden zufügen.&#8220; </em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wenige Jahre später, 2015, erschien eine <a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/410180/742999c19d5bc36ddcc498d924c928c4/WD-10-049-15-pdf-data.pdf">umfangreiche Ausarbeitung des Bundestags zum Thema Magermodels in den Medien und der Möglichkeit staatlicher Einflussnahme</a>. In diesem rechtlichen Gutachten ging es neben der Problematik der Abbildungen von Magermodels um die staatlichen Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der Jugendschutz Gesetze. Im Kapitel 7 (Seite 28 ff.) wird direkt auf Pro Ana Seiten eingegangen und einige Charakteristika von Foren und Webseiten aufgezählt, die jugendschutzrechtliche Bedenken gem. §§4, 5 JMStV auslösen: &#8222;Anas Brief&#8220; mit der Personifizierung von Ana als &#8222;Freundin&#8220;, Thinspiration-Bilder, Tipps und Tricks zur Gewichtsreduktion und Geheimhaltung, feste Regeln und Gebote an Verhaltensweisen, Glaubensbekenntnisse und Psalmen, die die Krankheit zelebrieren sowie Motivations- und &#8222;Thinlines&#8220; zum Ansporn.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein generelles Verbot sämtlicher Pro Ana-Inhalte ist jedoch nach Ansicht der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien nicht möglich, denn diese sind sehr unterschiedlich in ihrem Angebot. Zudem müssen diese in Einzelfallprüfungen den genannten Grundrechte gegenübergestellt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:20px"><strong>Internationale Regelungen im Kampf gegen Pro Ana</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Von der deutschen Regelung unterscheidet sich die Herangehensweise in <strong>Frankreich</strong> maßgeblich: Dort wurde bereits 2008 ein <a href="https://www.reuters.com/article/idUSL15786858/">Gesetz vorbereitet</a>, das „Anstiftung zur Magersucht“ der Anstiftung zum Suizid gleichstellte und unter Geld- oder Haftstrafe stellt &#8211; mit dementsprechenden strafrechtlichen Konsequenzen. Dazu waren mehrere Gesetzesanläufe notwendig bis im <a href="https://www.assemblee-nationale.fr/14/amendements/2673/AN/1052.asp">Jahr 2015 die französische Nationalversammlung</a> einer derartigen Gesetzesänderung (parallel zu einer Initiative gegen Magermodels in der Modebranche) zustimmte: Betreiber von Pro Ana Webseiten traf nun eine bis zu einjährige Haftstrafte bzw. Geldbußen im Ausmaß von 10.000 Euro.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Diese normative Lösung wäre jedoch nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar, führt das Rechtsgutachten des Bundestags aus: <em>&#8222;Für Anstiftung im Sinne des deutschen Strafgesetzbuches ist eine rechtswidrige Haupttat nötig (vgl. § 26 StGB). Magersucht oder andere Essstörungen stellen keine rechtswidrige, notwendig<br>tatbestandsmäßige Haupttat im Sinne des §26 StGB dar, sie sind als eigenverantwortliche Selbstgefährdung dem Schutz des Art. 2 Abs. 1 S. 1 GG unterworfen. Auch eine Anlehnung wie beim  französischen Vorhaben an eine Anstiftung zum Selbstmord läuft fehl, da eine solche Strafbarkeit im deutschen Recht nicht vorgesehen ist. In Betracht käme die Erarbeitung eines neuen oder ergänzenden Straftatbestands, angelehnt an die Formulierung des §131 StGB, der gewaltverherrlichende oder verharmlosende Darstellungen unter Strafe stellt.&#8220; </em>(<a href="https://www.bundestag.de/resource/blob/410180/742999c19d5bc36ddcc498d924c928c4/WD-10-049-15-pdf-data.pdf">Bundestag, 2015</a>, S. 34 f.)</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Es bedarf zudem, wie erwähnt, einer Abwägung mit den grundgesetzlichen Freiheitsrechte.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch in anderen Ländern wie Großbritannien, den Niederlanden oder Israel gab es zeitgleich ähnliche Initiativen, die sich einerseits gegen die Modeindustrie wandten, die dortige Einführung eines Mindest-BMIs sowie die Kennzeichnung retuschierter Modefotos forderten, und andererseits gegen Pro Ana Seiten. Im Folgenden nur einige Beispiele, die internationale Vorgehensweisen im Kampf gegen essstörungsverherrlichende Inhalte zeigen:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In <strong>Italien</strong> gab (und gibt) es parallel zu den Bemühungen in Frankreich ebenfalls seit dem Jahr 2008 Kampagnen und <a href="https://documenti.camera.it/_dati/leg16/lavori/schedela/apriTelecomando_wai.asp?codice=16PDL0021910">ähnliche Gesetzesiniviativen</a>, um den <em><a href="https://portale.fnomceo.it/wp-content/uploads/2018/09/Disturbi-del-comportamento-alimentare-11.09.18.pdf">Artikel 580-bis</a></em> über die Strafbarkeit der Anstiftung zur Anorexie ins italienische Strafgesetzbuch einzuführen. Aktuell &#8211; <a href="https://www.ilmattino.it/primopiano/sanita/anoressia_disturbi_alimentari_reato_istigazione_stretta_meloni-7313880.html">im Jahr 2023</a> &#8211; wurde über eine Bußgeldhöhe von 150.000 Euro und bis zu vierjährigen Freiheitsstrafen in besonders schweren Fällen (wenn das Opfer z.B. unter 14 Jahren ist) <a href="https://www.giustizia.it/giustizia/it/mg_2_5_12_1.page?contentId=GLM1144726">diskutiert</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die <strong>Schweiz</strong> hat Pro Ana-Inhalte nicht unter ein generelles Verbot gestellt, wie <a href="https://grosserrat.bs.ch/dokumente/100389/000000389347.pdf">in einer Interpellation an den Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt</a> beschrieben wird. In der Anfragebeantwortung heißt es zur Diskussion zu einem Verbot von Pro-Ana-Seiten: <em>&#8222;Ein gesetzliches Verbot müsste jedoch auf eidgenössischer Ebene erlassen werden, da sich eine kantonale Verbotsnorm nur auf Kantonsgebiet verfolgen liesse. Wie weit ein solches Verbot jedoch geeignet wäre, einer Verherrlichung der Magersucht entgegenzuwirken, ist allerdings sehr fraglich, insbesondere weil viele der genutzten Plattformen nicht in der Schweiz gehostet werden. Weiter dürfte es sehr schwierig sein, entsprechende Anstifterinnen oder Anstifter aus den Foren zu ermitteln und strafrechtlich zu belangen, gerade wenn diese aus dem Ausland operieren und dieses Land kein Verbot kennt.&#8220;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Auch in <strong>Österreich</strong> ist die Situation ähnlich, wie das <a href="https://datum.at/zu-wenig-zum-leben/">Magazin Datum im Jahr 2019 zusammenfasst</a> und eine Kinderrechtsexpertin zitiert: Demgemäß gibt es keine generelle Rechtsgrundlage zur Löschung von entsprechenden Inhalten, unter Umständen könnten Inhalte nach dem Jugendschutzgesetz des jeweiligen Bundeslandes als jugendgefährdend eingestuft werden. </p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In <strong>Spanien</strong> kam es auch zu <a href="https://www.thetimes.co.uk/article/spain-takes-lead-in-closing-down-the-websites-that-tell-girls-its-good-to-be-anorexic-3xg28n702k6">frühen Bemühungen gegen Pro Ana</a>, so setzte z.B. die spanische Kinderschutzorganisation Protegeles auf die freiwillige Selbstbindung der Provider. Die Organisation traf in den frühen 2000er Jahren bereits mit mehreren Providern entsprechende Vereinbarungen und hat zudem Infohotlines eingerichtet, an einer <a href="https://riull.ull.es/xmlui/bitstream/handle/915/5309/APOLOGIA%20DE%20LA%20ANOREXIA%20Y%20LA%20BULIMIA%20EN%20INTERNET.pdf?sequence=1&amp;isAllowed=y">Studie</a> über die Gefahren von Pro Ana mitgewirkt und eine Ersatzseite anstelle von Pro Ana-Angeboten https://www.anaymia.com/ eingerichtet. Diese ist allerdings gegenwärtig nicht mehr erreichbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In den <strong>USA</strong> wurden ab 2001 von der Suchmaschine Yahoo sukzessive Pro Ana Inhalte entfernt, diesem Bestreben folgten danach u.a. MySpace und MSN sowie Ebay, das Pro Ana Produkte von der Liste der erlaubten Produkte strich. </p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Neue Herausforderungen und Problemfelder für Behörden, Jugendschützer und Beratungsstellen weltweit ergeben sich insbesondere in den sozialen Medien, gegenwärtig vor allem in von außen nicht kontrollierbaren <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/whatsapp-gefahr-pro-ana-gruppen-coaches/">WhatsApp Gruppen</a> oder auf der <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/">Plattform TikTok</a>. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/alle/pro-ana-und-jugendschutz/">Pro Ana und Jugendschutz</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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		<item>
		<title>Die sektenhaften Strukturen der Pro Ana-Szene</title>
		<link>https://analytische-kritik.de/alle/die-sektenhaften-strukturen-der-pro-ana-szene/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Nov 2023 13:04:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[2. Psychologie-Themen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Ana]]></category>
		<category><![CDATA[Sekten]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://analytische-kritik.de/?p=160</guid>

					<description><![CDATA[<p>Zwar gibt es bei der Pro Ana Bewegung keine einzelne autoritäre Führungsfigur, jedoch treten in den meisten Foren (bzw. heutzutage WhatsApp Gruppen) die Admins durchaus mehr oder weniger dominant auf. Insbesondere die alten Pro Ana Webforen waren in der Regel hierarchisch gegliedert, da es eine klare Rangordnungen der User als Probemitglied, Neumitglied, Familymitglied bzw. Moderator und schließlich Admin gab. Entsprechend dieser Abstufungen hatten die Mitglieder Zutritt zu speziellen Unterbereichen des Forums, die z.B. nur Family-Mitgliedern vorbehalten waren, also jenen Userinnen, die bereits länger dabei waren und sich am Forenleben aktiv beteiligten.</p>
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]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph" style="font-size:22px"><strong>Die sektenhaften Strukturen der Pro Ana-Szene</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Ein Bericht des Oxforder „<em>Social Issues Research Center</em>“ aus dem Jahr 2002 zitiert die Selbstbeschreibung der nicht mehr existierenden Webseite namens „<em>Ana&#8217;s underground grotto</em>“ folgendermaßen: „<em>This is a gathering point for sentient individuals who are working to cause changes to occur in body in conformity to will. There are no victims here… This is not a place for the faint-hearted, weak, hysterical, or those looking to be rescued. (…)“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Dieser kurze Absatz lässt bereits deutlich das Elitendenken einiger Webseiten der Pro Ana-Szene erkennen, die sich selbst als überaus selbstbestimmt sehen und sich zum Beispiel gegen Schwäche oder Opfermentalität aussprechen. Genau das ist ein Symptom der Krankheit (Kontrolle, Macht, Beherrschung), das innerhalb der Szene entsprechend auch ausgelebt wird. Mit der Fokussierung auf Perfektion kommen diese Gedanken dem diesbezüglich üblichen Streben von Magersüchtigen entgegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Wie u.a. diese Abgrenzungen von „wir“ gegen „die anderen“ (in diesem Fall: die Menschen, die nach Ansicht der Pro Ana Anhängerinnen zu „schwach“ wären, um zu hungern) mit sektenartigen Strukturen zusammenhängt, erläutert der folgende Artikel auf Basis einiger typischen Kennzeichen einer Sekte. Die <a href="https://www.infosekta.ch/was-ist-eine-sekte/sektenmerkmale/">Schweizer Sektenberatungsstelle listet dazu folgende Merkmale auf</a>: </p>



<ul class="wp-block-list">
<li style="font-size:18px">Hierarchische Struktur</li>



<li style="font-size:18px">Autoritäre Führung</li>



<li style="font-size:18px">Abgrenzung der Gruppe nach außen</li>



<li style="font-size:18px">Leistungen für die Gruppe</li>



<li style="font-size:18px">Klares Menschenbild und Schwarz-Weiß Denken</li>



<li style="font-size:18px">Absolutheitsanspruch</li>



<li style="font-size:18px">Erlösungs- oder Heilsversprechen</li>



<li style="font-size:18px">Elitebewusstsein</li>



<li style="font-size:18px">Endzeiterwartung</li>



<li style="font-size:18px">Keine offene Informationspolitik nach außen</li>



<li style="font-size:18px">Selektive Informationspolitik nach innen</li>



<li style="font-size:18px">Umgang mit Kritik / Kritikverbot innerhalb der Gruppe</li>



<li style="font-size:18px">Milieukontrolle – Überwachung aller Lebensbereiche</li>



<li style="font-size:18px">Rücksichtslose Methoden in Anwerbung, Indoktrination, …</li>



<li style="font-size:18px">Gedanken- und Gefühlskontrolle durch Erzeugung von schlechten Gewissen und Angst</li>
</ul>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Zwar gibt es bei der Pro Ana Bewegung keine einzelne autoritäre Führungsfigur, jedoch treten in den meisten Foren (bzw. heutzutage WhatsApp Gruppen) die Admins durchaus mehr oder weniger dominant auf. Insbesondere die alten Pro Ana Webforen waren in der Regel hierarchisch gegliedert, da es eine klare Rangordnungen der User als Probemitglied, Neumitglied, Familymitglied bzw. Moderator und schließlich Admin gab. Entsprechend dieser Abstufungen hatten die Mitglieder Zutritt zu speziellen Unterbereichen des Forums, die z.B. nur Family-Mitgliedern vorbehalten waren, also jenen Userinnen, die bereits länger dabei waren und sich am Forenleben aktiv beteiligten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Eine Pro Ana Gruppe ist – damals wie heute – streng nach außen abgegrenzt, zumeist besagt eine Gruppenregel, dass keinesfalls Außenstehenden über das Forum erzählt werden darf, insbesondere gegenüber Therapeuten oder Erziehungsberechtigten soll geschwiegen werden. Geheimhaltung gilt oft als das oberste Gebot und korrespondiert auch mit dem zumeist heimlichen Agieren von Esssgestörten, die ihre Sucht im Allgemeinen zu verbergen versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Dass bei vielen Betroffenen ein klares Elitendenken vorherrscht, wurde bereits zu Beginn des Artikels gezeigt. Dieses Denken kann extreme, ja sogar menschenverachtende Züge annehmen, wenn z.B. als „Fatspo“ (= das Gegenteil von „Thinspiration/Thinspo“, also den üblichen Triggerbildern von sehr dünnen Models oder anderen Magersüchtigen, die zwecks Ansporn verschickt bzw. gepostet werden) Bilder von adipösen Menschen mit dementsprechend abwertenden Kommentaren gepostet bzw. Tipps gegeben werden, sich ein solches Anti-Triggerbild an den Kühlschrank zu kleben. Hier ein Beispiel für entsprechende Kommentare:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-palette-color-7-background-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:18px"><em>&#8222;Das sind ihre schweinischen Artgenossen, pure MASSE. Groß wie ein Berg in ihren unförmigen Kleidern&#8220;&#8230;  </em></p>
<cite>Quelle: Private Pro Ana Webseite aus dem Jahr 2005. (Inzwischen ist die Seite gelöscht worden, wir würden aber auch keine entsprechenden Verlinkungen tätigen.)</cite></blockquote>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Mit diesen Abwertungen projizieren sie ihr Denken und Fühlen auf andere Menschen, was sich eigentlich auf die eigene Person bezieht, wenn sie u.a. zu viel gegessen haben. Hier ein Auszug aus einem privaten Pro Ana Tagebuch einer Webseite aus 2004:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-palette-color-7-background-color has-background wp-block-paragraph" style="font-size:18px">&#8222;<em><strong>24. Mai 1999</strong> Ich bin ein fetter Troll. Ich war die ganze Woche so brav, weil ich die ganze Woche <mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color">xxx</mark> genommen hatte. Aber heute esse ich natürlich zu viel. Ich kann nicht einmal kotzen, weil ich zu erschöpft bin. Ich bin dazu verdammt, einen Tag lang wie ein aufgeblähter Wal zu sein.&#8220; </em></p>
<cite>Privates Tagebuch &#8211; mittlerweile gelöscht (Der Name eines Medikaments wurde mit <mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-luminous-vivid-orange-color">xxx</mark> ersetzt).</cite></blockquote>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Begleitend zum Elitendenken herrscht bei den meisten Pro Ana Anhängerinnen eine mehr oder weniger ausgeprägte fehlende Krankheitseinsicht. Das Krankheitsbild von Essstörungen wird zwar nicht per se abgestritten, jedoch wird in den meisten Fällen für sich selbst negiert, daran zu leiden. Dazu passt der in der Szene oft gehörte Slogan „<em>anorexia is a lifestyle, not a disease</em>“. Dieser verkennt und pervertiert ganz bewusst die Gefährlichkeit von Magersucht, also der psychischen Erkrankung mit der höchsten Mortalitätsrate. Eine Pro Ana Gruppe – insbesondere in deren Anfangszeit – wandte sich klar gegen Therapie, da die Essstörung sehr oft als Lifestyle glorifiziert und demgemäß das ihr innewohnende Gefährdungspotenzial völlig ignoriert wurde. Dies kann neben einem Absolutheitsanspruch durchaus auch als Heilsversprechen im weiteren Sinne interpretiert werden, da indirekt vermittelt wurde, innerhalb der Gruppe über immer stärkere, individuelle Gewichtskontrolle die allgemeinen Probleme und Schwierigkeiten im Leben lösen zu können. Dazu gab es einen Austausch an Tipps, die von banalen Abnehm-Tricks bis hin zu extrem gefährlichen Ratschlägen reichten, wie bestimmte verschreibungspflichtige Medikamente, Aufputschmittel und Amphetamine zweckentfremdet zum Abnehmen missbraucht werden könnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Kritikverbote per se waren in den meisten Fällen nicht an der Tagesordnung, jedoch bestimmte die Admiss, wer aus dem Forum hinausgeworfen wurde, was meist aufgrund von geringer Onlinebeteiligung der Fall war. In manchen Foren wurde eine Mindestanzahl an Beiträgen pro Woche erwartet.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">In manchen Foren/Gruppen mussten wöchentliche (bzw. seltener auch tägliche) Waagebilder geschickt werden bzw. Körperbilder in Unterwäsche. Es gab starken Gruppendruck in Form von BMI-Rankings und wer das definierte Abnehmziel – das sich in Extremfällen in Größenordnungen bis zu mehreren Kilos die Woche bewegte – nicht einhielt, wurde verwarnt und schließlich aus der Gruppe geworfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Rücksichtslose Methoden in der Anwerbung, ein weiteres Kennzeichen einer Sekte, können insofern verortet werden, als dass insbesondere heutzutage immer noch auf einschlägigen Plattformen gezielt nach Mitgliedern für WhatsApp Gruppen geworben wird, teilweise mit sehr niedrigen Altersgrenzen ab 12 oder 14 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Die früheren Webforen enthielten in den allermeisten Fällen eine Art „Disclaimer“, wo festgehalten war, dass Interessierte, die um eine Aufnahme ersuchten, bereits eine Essstörung haben mussten, um aufgenommen zu werden. Dazu musste meist ein kurzer Steckbrief ausgefüllt bzw. ein kleines „Motivationsschreiben“ für den Beitritt verfasst werden. Dies ist einerseits Ausdruck des bereits genannten Elitendenken, um keine „<em>Wannabes</em>“ &#8211; bzw. im Jargon der Ana-Community „<em>Wannarexics</em>“ &#8211; in die Gruppe zu lassen und „unter sich“ zu bleiben. Andererseits kann es auch die &#8211; jedoch meist nur halbherzig praktizierte &#8211; Überzeugung darstellen, niemanden in eine Essstörung hineinziehen zu wollen, der nichts bereits drinnen steckte. Es zeigt auch die gewisse Ambivalenz, welche sich in das Elitendenken mischte, über eine bei manchen Anhängerinnen (zeitweilig) vorhandene Krankheitseinsicht, die jedoch meist rasch wieder schwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Alles in allem können auf Basis dieser Argumentation zumindest 9 von 15 Punkten, welche Charakteristika einer Sekte beschreiben, als erfüllt angesehen werden bzw. es kann von sektenhaften Strukturen der Pro Ana Bewegung gesprochen werden.</p>



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<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Abseits dieser Sektencheckliste darf jedoch ein Aspekt nicht untergehen: Würde ein Pro Ana-Foren bzw. eine derartige WhatsApp Gruppe nur Nachteile bieten, hätten diese wohl kaum den Zulauf unter esssgestörten Jugendlichen, den sie haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Mit einer Essstörung geht sehr oft eine große soziale Isolation einher, sodass sich Betroffene von ihrem Umfeld nicht verstanden fühlen. Im Internetzeitalter ist hier nun der Austausch mit anderen Betroffenen via Netz verlockend, sodass diese nur allzu leicht auf Pro Ana Seiten landen. Dort wird Gemeinschaftsgefühl und Zugehörigkeit geboten, was ansonsten für viele nur schwer erreichbar ist. Die Essstörung ist das gemeinsame Thema der Gruppe, jedoch wird auch über alle anderen Bereich des Lebens offen diskutiert. Für viele Betroffene ist dies das erste Mal, dass sie &#8222;frei Schnauze&#8220; über all ihre Probleme sprechen und sichergehen können, Verständnis zu ernten. Verbindendes Element der Gruppe bleibt der gemeinsame Fokus auf das Abnehmen als vermeintliche Problemlösungsstrategie sowie das ungeschriebene Gesetz in Ana-Gruppen über eine bedingungslose Wertschätzung. Dies kann bis zu permanentem „Love Bombing“ (auch ein Kennzeichen von Sekten) gehen, wobei dieser Mechanismus nicht bewusst forciert wird, sondern sich aus den gruppendynamischen Strukturen ergibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Der Absprung aus derartigen Gruppen kann sehr schwer sein, weil damit auch der Verlust sämtlicher dort geknüpfter Freundschaften einher geht, welche mitunter so tief sind, dass sich sogar beste Freundinnen in der Szene finden, deren Kontakt sich bis ins reale Leben zieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-size:18px">Aus diesen genannten Gründen ist oft eine nachhaltige Loslösung von den sektenhaften Strukturen der Pro Ana Szene sehr schwer und die Betroffenen erleben immer wieder Rückfälle, auch nachdem sie sich bereits in Therapie befinden. Hier gilt es Ersatzangebote zu schaffen und die emotionale Lücke zu füllen, die ein derartiger Ausstieg mit sich bringt. Diesen Ersatz versuchten Ex-Pro Ana Foren, wie es sie in der Hochblüte der Webforen auch im deutschen Raum gab, zu füllen. Diese Foren wurden von ehemaligen Anhängerinnen der Pro Ana Szene geleitet und wandten sich bewusst an andere Aussteigerinnen. Mit den sozialen Medien ist auf Instagram eine große Recovery-Szene entstanden. Warum diese betroffenengeführten Recovery-Accounts samt dazugehöriger Bubble jedoch auch nicht ungefährlich sind, da sie allzu zu oft &#8222;leichte Genesung&#8220; versprechen, wenn man nur das Essverhalten anpasse und sich gesund &#8211; meist mit Lightprodukten &#8211; ernähre, erläutert ein <a href="https://analytische-kritik.de/pro-ana/soziale-medien-pro-ana/pro-ana-die-gefahr-von-instagram-tiktok/">separater Artikel</a>.</p>
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