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	<title>Systemversagen Archive - Analytische Kritik</title>
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	<title>Systemversagen Archive - Analytische Kritik</title>
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	<item>
		<title>Strukturelles Versagen im Fall Josephine R.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stella]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Nov 2025 11:35:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[6. Verschiedenes]]></category>
		<category><![CDATA[6.3. Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Borderline]]></category>
		<category><![CDATA[Diagnosen]]></category>
		<category><![CDATA[Josephine R.]]></category>
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		<category><![CDATA[Systemversagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wir haben hier ein System, das seine eigene Fehlerproduktion verschleiert, indem es sie zur Ausnahme erklärt. „Justizskandal“, „Lüge“, „unglaublich“ – Vokabeln, die suggerieren, es handele sich um eine Singularität. Ein Unfall. Eine Entgleisung. Ein Monster, das durchs Raster schlüpft. </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/verschiedenes/politik/strukturelles-versagen-im-fall-josephine-r/">Strukturelles Versagen im Fall Josephine R.</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading has-text-align-center">Eine Diagnose schafft Abstand</h2>



<p class="has-text-align-center has-medium-font-size wp-block-paragraph"><strong>Und Abstand schützt das System.</strong></p>



<p class="has-text-align-center has-small-font-size wp-block-paragraph">(System: Therapeut, Staatsanwälte, Richter, Gutachter, Justiz) </p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:50%">
<h3 class="wp-block-heading">Einleitung</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>„</strong>Solch manipulatives Verhalten und Empathielosigkeit sind Faktoren, die auch bei Psychopathie in Erscheinung treten<strong>“</strong></em>, <a href="https://ra-odebralski.de/aktuelles/justizskandal-um-josephine-r-eltern-nach-684-tagen-aus-haft-entlassen">tönt es</a> in den Medien.  <em><strong>„</strong>Agoraphobie, Kontrollzwänge, depressive Störungen und auch:&nbsp;Borderline-Persönlichkeitsstörung. Borderlinepatienten gelten als manipulativ, sie neigen zum Lügen<strong>“</strong></em>, heißt es <a href="https://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-josephine-r-falsche-vergewaltigungsvorwuerfe-auf-den-spuren-eines-justizskandals-a-cae9f738-2248-4859-b104-511669292a60" target="_blank" rel="noreferrer noopener">in einem anderen Artikel</a>. <em><strong>„</strong>Wenn es sich bei Josephine R. um eine Borderlinerin handle, dann könne man oft nicht unterscheiden zwischen Lüge und Wahrheit<strong>“</strong></em>, bekräftigt <a href="https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/prozess-josephine-r-missbrauch-justiz-e928566/?reduced=true" target="_blank" rel="noreferrer noopener">die Süddeutsche Zeitung</a>.  </p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow" style="flex-basis:50%"><div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img decoding="async" src="https://marvelstella.de/wp-content/uploads/2025/11/Collage.jpg" alt="" class="wp-image-3917" style="width:309px;height:auto"/></figure>
</div></div>
</div>



<p class="wp-block-paragraph"><s><em><strong>„</strong>Vielleicht ist es aber auch ein dissoziativ-histrionisch-narzisstisches Mischprofil mit Pseudologia-Fantastica-Anteilen<strong>“,</strong></em></s> füge ich leicht sarkastisch hinzu, streiche es aber sogleich wieder, denn genau das ist es, was das Systemversagen relativiert. In fast jedem Artikel, der sich auf „den Fall Josephine R.“ bezieht, bekam die Tatperson eine mögliche Diagnose zugeschrieben. Der mediale Reflex ist alt und billig: Findet ein Etikett, das ihre Anomalie erklärt. Borderline. Narzissmus. Eine besondere Form des Münchhausen-Syndroms. Psychopathie. Psychose. Wahn. Irgendwas muss doch „anders“ an ihr sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und warum? Weil die Diagnose das System entlastet. „So eine“ könne selbst Profis täuschen.<br>Diese Zuschreibungen sind – vor allem, wenn man sie mit Generalisierung verbindet – Stigma, keine Wissenschaft. Aber sie erfüllen einen Zweck: Sie verschieben den Fehler vom System in die Struktur des Individuums. Die subtile Botschaft: Therapeuten und Staatsanwälte wurden Opfer einer außergewöhnlichen psychischen Störung.<br>Die Wahrheit ist allerdings wesentlich banaler: Sie wurden Opfer ihrer eigenen Profession.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Monstrologie: Wie Medien Systeme unsichtbar machen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben es mit einem System zu tun, das seine eigene Fehlerproduktion tarnt, indem es sie zur Ausnahme erklärt. <em>„Justizskandal“, „Lüge“, „unglaublich“</em> – Begriffe, die suggerieren, es handle sich um eine Singularität. Ein Unfall. Eine Entgleisung. Ein Monster, das zufällig durchs Raster fällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Schlagzeilen funktionieren wie Scheinwerfer: Sie tun so, als würden sie einen einzelnen Fall ausleuchten – in Wirklichkeit blenden sie die Struktur aus. Josephine muss zur unheimlichen Ausnahme stilisiert werden: übermenschlich manipulativ, psychologisch „besonders“, fast schon mythisch. Je monströser die Täterin, desto reiner die Institutionen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In dieser Logik wirkt es, als sei Josephine all den Störungen, die ihr zugeschrieben werden, in einem einzigen Moment anheimgefallen. Ihre Vorgeschichte wird gestreift, aber nie entfaltet; sie verliert sich in den ausufernden, fast schon literarischen Rekonstruktionen des Tathergangs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Narrativ ist fixiert:<br>Josephine – unheimlich, rätselhaft, zerstörerisch.<br>Die Mutter – warmherzig, leise, „ich kann meine Tochter nicht hassen“.<br>Die Professionen – tragisch verführt, überrumpelt, „getäuscht“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dramaturgisch effizient.<br>Institutionell entlastend.<br>Empirisch haltlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Diagnose selbst wird missbraucht</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Aussage: <em>„Borderline-Personen lügen häufig und manipulieren“</em> oder: <em>„Borderline-Personen können oft nicht unterscheiden zwischen Lüge und Wahrheit“</em>, ist fachlich falsch und diskursiv hochgefährlich.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-base-background-color has-background has-fixed-layout"><thead><tr><th>Borderline bedeutet</th><th>Borderline bedeutet nicht</th></tr></thead><tbody><tr><td>Identitätsinstabilität</td><td>kalkulierte Lüge</td></tr><tr><td>Affektregulationsstörung</td><td>strategische Manipulation</td></tr><tr><td>extreme Sensitivität für Verlust</td><td>Split-Personality-Thriller</td></tr><tr><td>black-and-white-Bindungsdynamik</td><td>Spaß am Täuschen</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Man muss es so klar und deutlich sagen:<br>Hier wird die gesamte Gruppe der Borderline-Diagnostizierten öffentlich stigmatisiert:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>ihre Glaubwürdigkeit</li>



<li>ihre Komplexität</li>



<li>ihre gesellschaftliche Stellung</li>



<li>ihr Recht auf differenzierte psychologische Betrachtung</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Der Missbrauchsfall wird zur Bühne,<br>und Menschen mit dieser Diagnose werden zu Requisiten eines True-Crime-Dramas erklärt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Diagnose taucht in den Artikeln nicht als medizinische Kategorie auf, sondern als moralische. Der Satz <em>„Borderlinepatienten gelten als manipulativ“</em> ist kulturelles Erbe. Die Erzählung funktioniert, weil die Diagnose längst in gesellschaftlichen Schubladen abgelegt wurde: unzuverlässig, hysterisch, unberechenbar. Gerade bei Frauen wird dieses Bild weitervererbt wie ein genetischer Defekt der Wahrnehmung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für die Medien hat das einen Vorteil:<br>Borderline ist das perfekte dramaturgische Werkzeug. Eine Diagnose, die sich so weit verzerren lässt, dass sie jede Komplexität aus dem Menschen saugt und ihn auf ein Symptom reduziert. Eine Art klinisch etikettierte Grausamkeit. Damit lässt sich der Satz erzeugen: <em>„Na ja, mit so einer konnte ja niemand rechnen.“</em><br>Das ist Exorzismus mit ICD-10-Vokabeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">BPS vs DIS</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die paradoxe Pointe ist, dass ausgerechnet jene Aufklärer:innen, die die Verschwörungserzählung <a href="https://analytische-kritik.de/die-struktur-des-satanic-panic-phaenomens/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">„Rituelle Gewalt – Mind Control“</a> kritisieren und den inflationären Missbrauch der Diagnose „Dissoziative Identitätsstörung“ anprangern, durch ihre eigene Stigmatisierung von Borderline dazu beitragen, dass die DIS kulturell noch attraktiver wird. Die Dynamik ist simpel: Menschen mit einer Borderline-Diagnose tragen das gesellschaftliche Stigma der Unzuverlässigkeit, der Manipulation, der moralischen Defizienz. In vielen traumatherapeutischen Milieus ist die DIS dagegen längst ein Prestige-Label – kombiniert mit ritueller Gewalt wird sie zum kulturellen Kapital. Wer das Stigma verstärkt, verstärkt damit auch den diagnostischen Sog.</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-base-background-color has-background has-fixed-layout"><thead><tr><th>Borderline</th><th>Dissoziative Identitätsstörung</th></tr></thead><tbody><tr><td>sperrig und schambesetzt</td><td>narrativ reich</td></tr><tr><td>ohne sakrale Erzählung</td><td>sozial belohnt</td></tr><tr><td>sozial sanktioniert</td><td>medienkompatibel</td></tr><tr><td>ohne Glamour</td><td>therapeutisch verwertbar</td></tr><tr><td>stigmatisiert</td><td>kultisch überhöht</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich wählen Menschen das Label, das sie schützt, nicht das, das sie beschädigt. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Forschung zeigt, dass Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsmerkmalen vermehrt Dissoziation und Erinnerungstrübungen aufweisen, und dass bei DIS eine hohe Komorbidität mit Borderline besteht. Daraus lässt sich plausibel ableiten, dass gerade in traumatherapeutischen Settings das Risiko besteht, dass Suggestion, Diagnostik und narrative Dynamiken zusammenwirken. Identitätsdiffusion, Bindungsunsicherheit und der Wunsch nach stabiler Selbstzuschreibung machen sie zu idealen Zielscheiben für Therapien, die mehr Mythologie als Psychologie produzieren.<br>Doch entscheidend ist etwas anderes: Was erwarten wir von schwer kranken Menschen, deren Weg zurück in die Realität durch gesellschaftliche Stigmata systematisch verbaut wird? Wenn die reale Diagnose soziale Abwertung bedeutet und die phantasierte Diagnose kulturelles Kapital, dann ist nicht das Individuum das Problem – sondern die Struktur, die diese Wahl erzwingt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Systemversagen 100%</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Doch zurück zum System. Zurück zur Ersatzmutter-Industrie: Therapeut:innen, Anwält:innen, Staatsanwält:innen im Rettermodus. Niemand in dieser Geschichte war „nur Opfer von Josephines Lügen“. Wer sich „täuschen ließ“, folgte einem eigenen psychopolitischen Bedürfnis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">– Ein Psychiater, der die Borderline-Diagnose abräumt, weil das heroische Trauma die attraktivere Erzählung ist.<br>– Eine Anwältin, die „liebstes Josephinchen“ schreibt, weil sie die Nähe braucht, die ihr Beruf ihr verbietet.<br>– Eine Staatsanwältin, die Postkartenromantik pflegt und sich auf einem gemeinsamen Weg „ans Meer“ imaginiert.<br>– Aussagepsychologen, die denselben Fall in entgegengesetzte Richtungen biegen, je nachdem, welche institutionelle Windrichtung gerade moralisch opportun ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist professionelle Entgrenzung im Dienst der eigenen Selbstinszenierung. Eine Justiz, die sich als Helferin begreift, wird blind. Eine Psychiatrie, die sich als Retterin begreift, wird manipulierbar. Eine Anwältin, die „Mama“ genannt werden will, verliert ihren Beruf an die Rolle, die sie begehrt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Josephine hat sie nicht verführt.<br>Sie hat ihnen geliefert, was sie suchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das nennt man nicht Täuschung.<br>Das nennt man Komplizenschaft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Verantwortung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Josephine ist verantwortlich für ihre Taten. Ja.<br>Aber sie ist nicht verantwortlich für das institutionelle Versagen, das ihre Lügen zu Verurteilungen machte. Sie ist nicht verantwortlich für den psychologischen Narzissmus professioneller Helfer. Nicht für eine Justiz, die an die Geschichte glaubte, die ihr eigenes Selbstbild rettete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der wahre Skandal ist nicht Josephine – es ist die Architektur, die sie brauchte<br>Wenn man ein Mädchen zur monströsen Ausnahme stilisiert, hat man einen klaren Vorteil:<br>Man muss nichts ändern.<br>Die Justiz kann weitermachen.<br>Die Psychiatrie kann weitermachen.<br>Die Gutachter können weitermachen.<br>Die Medien können weitermachen.<br>Und der nächste Fall wird wieder ein Monster haben.<br>Was fehlt, ist nicht die moralische Verurteilung der Josephine R.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was fehlt, ist die strukturelle Verurteilung eines Systems, das sich selbst für zu gut hält, um Fehler zu machen – und deshalb immer wieder dieselben produziert.<br>Das Monster schützt die Institution.<br>Und das ist der wahre Horror.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><strong>:::::::::::::::::::::::::::::::::</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zum Weiterlesen:</strong> (hier geht es einzig um das Systemversagen)</p>



<figure class="wp-block-embed is-type-wp-embed is-provider-strafakte-de wp-block-embed-strafakte-de"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<blockquote class="wp-embedded-content" data-secret="dT308rwA6S"><a href="https://www.strafakte.de/staatsanwaltschaft/justizskandal-braunschweig/">„Erstaunlich, was alles ein Justizskandal sein soll“</a></blockquote><iframe class="wp-embedded-content" sandbox="allow-scripts" security="restricted"  title="&#8222;„Erstaunlich, was alles ein Justizskandal sein soll“&#8220; &#8211; Strafakte.de" src="https://www.strafakte.de/staatsanwaltschaft/justizskandal-braunschweig/embed/#?secret=k2ZCZORiH5#?secret=dT308rwA6S" data-secret="dT308rwA6S" width="600" height="338" frameborder="0" marginwidth="0" marginheight="0" scrolling="no"></iframe>
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			</item>
		<item>
		<title>WTF-Talk über den Justizskandal rund um Josephine R.</title>
		<link>https://analytische-kritik.de/1-rezensionen/wtf-talk-ueber-den-justizskandal-rund-um-josephine-r/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Gastautor]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Nov 2025 13:17:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[1. Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Alle]]></category>
		<category><![CDATA[Josephine R.]]></category>
		<category><![CDATA[Systemversagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im aktuellen Talk aus dem November 2025  diskutieren Lydia Benecke und Bernd Harder mit Susanna Niehaus, Hochschule Luzern, sowie Spiegel-Redakteur Christopher Piltz über einen Fall, wo alle Beteiligten systematisch versagt haben: die Ereignisse rund um die junge Frau Josephine R.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading has-text-align-center">WTF-Talk über den Justizskandal rund um Josephine R.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im aktuellen Talk aus dem November 2025 diskutieren Lydia Benecke und Bernd Harder mit Susanna Niehaus, Hochschule Luzern, sowie Spiegel-Redakteur Christopher Piltz über einen Fall, wo alle Beteiligten systematisch versagt haben: die Ereignisse rund um die junge Frau Josephine R.</p>



<figure class="wp-block-embed aligncenter is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="WTF Talk vom 03.11.2025 - Der Fall Josephine  Ein deutscher Justizskandal" width="900" height="506" src="https://www.youtube.com/embed/dV-IslqIWYw?start=2993&#038;feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="has-text-align-left has-small-font-size wp-block-paragraph">Video: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dV-IslqIWYw&amp;t=2993s">YouTube Kanal Lydia Benecke</a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Christopher Piltz, der dazu eine umfangreiche <a href="https://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-josephine-r-falsche-vergewaltigungsvorwuerfe-auf-den-spuren-eines-justizskandals-a-cae9f738-2248-4859-b104-511669292a60" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hintergrundberichterstattung veröffentlicht hat</a>, fasst die ineinander verzahnten Verfahren zusammen (vgl. Min 4:52 ff.): Josephine R. hat ihre Familie mit so ziemlich allem beschuldigt, was das Narrativ von ritueller Gewalt und Mind Control hergibt. Die polizeilichen Ermittler äußerten zu Beginn des Verfahrens ziemliche Zweifel, standen mit dieser Meinung jedoch alleine da. Die Staatsanwältin, die große Schwurgerichtskammer, eine Opferanwältin, ein Glaubhaftigkeitsgutachter, Joesphine R.s Therapeut und andere bildeten eine breite Phalanx, auf deren Basis ein Urteil gefällt wurde, das in langen Haftstrafen der Eltern mündete. <em>„Es wurde hier ein Horroszenario kreiert, das kann man heute so sagen, weil nichts davon stimmt“</em>, resümiert der Journalist den unglaublichen Verlauf dieses Gerichtsverfahrens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie konnte es so weit kommen, dass die Eltern zwei Jahre unschuldig inhaftiert waren bis der BGH im Frühsommer 2024 das Urteil kippte? Eine Frage, die beschäftigt: <em>„Bis auf diese Polizisten haben alle dieser Frau geglaubt und das nicht nur einmal oder zweimal, sondern über mehrere Jahre. Über viele, viele Aussagen hinweg &#8211; soweit, dass am Ende gegenüber einem Dutzend Menschen namentlich ermittelt wurde. Um die 60 Personen waren als potenzielle Täter im Blick der Polizei. Es war ein riesen Kreis. Und das ist wirklich ein ziemlicher Skandal“</em>, beschreibt Christopher Piltz das Grundproblem. <em>„Die Zweifel waren immer wieder kurz da und wurden aber von den meisten Beteiligten am Ende weggewischt“</em>. In der Genese dieses Falles gab es viele Momente, wo man hätte anders entscheiden können, doch diese wurden nicht genutzt, berichtet er.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Von mangelnder professioneller Distanz zum Systemversagen</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">„<em>Fakten wurden umgedeutet, Gegenbeweise nicht wahrgenommen oder weggeredet, es gab suggestive Vorgaben. Also in dieser Geschichte ist alles falsch gelaufen, was nur irgendwie passieren konnte“</em>, <a href="https://www.spiegel.de/panorama/justiz/der-fall-josephine-r-ein-unglaublicher-justizskandal-podcast-a-ab4575c7-c989-46df-a8b9-c5f397a2e1a6" target="_blank" rel="noreferrer noopener">fasst Bernd Harder (Min 46.22) die Einschätzung von Rechtspsychologin Susanna Niehaus aus dem Spiegel-Artikel </a> zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn zum schlussendlichen Justizskandal haben unzählige Mosaiksteinchen beigetragen, nicht nur die bereits erwähnten übergangenen Bedenken der Ermittler. Auch ein zweites rechtspsychologisches Gutachten ignorierte die im ursprünglichen Gutachten aufgezeigten Widersprüche hinsichtlich der Aussagen von Josephine R. – und das unter Missachtung des etablierten methodischen Standards, wie Susanna Niehaus ausführt (vgl. Min. 13ff.): <em>„Kurz gefasst kann man sagen, die eine Person hat sich an die methodischen Standards gehalten, die wir haben, die andere Person hat das nicht ansatzweise getan.“</em> Ein „<em>Systemversagen</em>“, wie die Professorin an späterer Stelle hinzufügt (vgl. Min 46.40ff).</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Falsch verstandener Opferschutz</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Eine gewichtige Rolle in der Verkettung der Ereignisse, die rückblickend niemals so hätten passieren dürfen, spielte mangelnde professionelle Distanz, die es auf allen Ebenen gegeben hat. Niehaus bringt hierzu (vgl. Min 27.00ff.) einen eindrücklichen Vergleich von Josephine R. mit einem Puppenspieler, der seine Marionetten nach seinen Vorstellungen benutzt: <em>„Sie kriegt das sehr gezielt hin, die Leute genau mit dem Thema zu bedienen, worauf sie anspringen könnten“</em> &#8211; von einer religiösen Schiene bei ihrem Therapeuten, über mögliche Muttergefühlen bei ihrer Rechtsvertreterin bis hin zu emotionaler Befangenheit im Strafverfahren. Der letzte Punkt wiegt besonders schwer: <em>„Ein Ermittlungsverfahren ist dafür da, erst einmal herauszufinden, ob und was stattgefunden hat und nicht emotional befangen davon auszugehen, dass ganz schlimme Sachen stattgefunden haben.“</em> Ein derart mangelndes professionelles Handeln sei falsch verstandener Opferschutz, so Niehaus weiter(vgl. Min 1:07:15ff). Ihr Fazit: <em>„Ich hätte mir zwar gewünscht, dass so ein Fall nicht notwendig ist, damit man wieder nachdenkt, und sich erinnert, was die Standards sind, die in Konsequenz <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wormser_Prozesse" target="_blank" rel="noreferrer noopener">der Wormser Prozesse</a> erarbeitet worden sind.</em>“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau dieser falsch verstandene Opferschutz ist ein zentraler Aspekt für die Expert:innen dieses Talks: Menschen werden geschädigt, betont Lydia Benecke, wenn nicht professionell gearbeitet wird (vgl. Min 50.01ff.). Das könne zu Scheinerinnerungen, Falschbeschuldigungen, Falschverurteilungen und auch zur Vernichtung von Existenzen führen – wie im Anlassfall. Die Psychologin warnt an dieser Stelle noch einmal davor (vgl. Min. 1:01:30), von Symptomen abzuleiten, dass jemand Missbrauch und Gewalt erlebt habe und diese als eindeutigen Beleg dafür anzusehen. Denn genau mit dieser Vorannahme wurde im Fall Josephine R. offenbar gearbeitet – und das war „<em>der Ausgangspunkt für eine immer größer werdende Geschichte</em>“.</p>



<h4 class="wp-block-heading"><strong>Klare Verantwortlichkeiten</strong></h4>



<p class="wp-block-paragraph">Und was ist mit Josephine R.? Als Opfer sei sie nicht zu sehen, sagt Susanna Niehaus, wenn dann als Opfer ihrer eigenen Vorgehensweise, ihrer Ideen (vgl. Min 55.00ff). Aber auch sie werde durch diesen Fall geschädigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben dem kompletten Systemversagen auf professioneller Ebene bleibt die Frage nach den Beweggründen von Josephine R. offen. Sie wird als gezielt vorgehender, hochmanipulativer Mensch beschrieben, die in ihren Schilderungen so ziemlich alle Inhalte des Narrativs gebracht habe – von schwarzen Kutten und Pentagrammen bis hin zu Säuglingstötung: <em>„Diese Erzählung von ihr wird immer schlimmer, es werden immer mehr Taten und es werden immer mehr Täter, von denen sie berichtet. Und es werden auch immer mehr Menschen, denen sie davon berichtet.“</em> (Min 21.56 ff.) Josephine R.s Therapeut, so Piltz, wird später vor Gericht aussagen, dass er ihr so ziemlich alles geglaubt habe und eine Beziehung mit ihr eingegangen sei, die weit über das Therapeutische hinausging.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses besondere Gespür von Josephine R., welche Menschen in welcher Form auf ihre Erzählungen reagieren würden, hebt auch Lydia Benecke hervor (vgl. Min 31.30ff), kritisiert aber klar die fehlende Grenzziehung in der Therapie: „<em>Ich glaube auch nicht, dass sie das bei jedem geschafft hätte“.</em> Die Psychologin betont die klaren Verantwortlichkeiten was das Eingehen einer privaten Beziehung im therapeutischen Setting angeht: <em>„Egal wie manipulativ Josephine ist, er ist derjenige, der diesen Beruf ausübt und er muss dafür sorgen, dass er die professionelle Distanz, das hat er nicht und die Verantwortung sehe ich bei ihm.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gegen Josephine R. laufen die Ermittlungen weiter, es steht ein Verfahren wegen Falschaussage und Vortäuschung einer schweren Straftat im Raum. Es bleibt zu hoffen, dass ein Gutachten über die junge Frau, das möglicherweise während des kommenden Prozesses erstellt werden könnte, hier etwas Licht ins Dunkel bringt.</p>



<center><hr style="width: 500px; border: none; height: 2px; background: linear-gradient(to right, #0E2C40, #1A4A5A, #51a2bd); margin: 30px 0;"></center>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Zum Weiterlesen: </strong></p>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://skeptix.org/2025/11/11/the-devil-you-know-wie-verschwoerungsnarrative-in-psychotherapien-gelangen/">The Devil You Know: Wie Verschwörungsnarrative in Psychotherapien gelangen</a></li>
</ul>
<p>Der Beitrag <a href="https://analytische-kritik.de/1-rezensionen/wtf-talk-ueber-den-justizskandal-rund-um-josephine-r/">WTF-Talk über den Justizskandal rund um Josephine R.</a> erschien zuerst auf <a href="https://analytische-kritik.de">Analytische Kritik</a>.</p>
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		<title>Ich bin keine Simulantin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stella]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 17:41:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>
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		<category><![CDATA[Systemversagen]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich habe objektiv massive Umbauten in meinem Körper und behandle mich dennoch oft so, als müsste ich funktionieren, als wäre ich unbelastet. Das liegt daran, dass ich jahrelang als Simulantin, später dann als Psychosomatikerin galt. </p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich habe objektiv massive Umbauten in meinem Körper und behandle mich dennoch oft so, als müsste ich funktionieren, als wäre ich unbelastet. Das liegt daran, dass ich jahrelang als Simulantin, später dann als Psychosomatikerin galt. SAPHO war damals noch unbekannt. Als ich erkrankte, wurde nur geröntgt, und weil es erst der Beginn war, konnte man nichts erkennen. Damit war das Thema bildgebende Diagnostik für viele Jahre praktisch beendet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst als man viele Jahre später das eine oder andere sah, erklärte das angeblich noch immer nicht das Ausmaß meiner Beschwerden, denn die Blutwerte waren normal. Auch das bedeutete wieder: Psychosomatik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während ich also therapeutisch in Grund und Boden behandelt wurde, geschah Folgendes:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>multisegmentale ankylosierende Spondylitis</li>



<li>knöcherne Durchbauung der Bandscheiben</li>



<li>Wirbelgelenkbeteiligung</li>



<li>Beteiligung der Kostovertebralgelenke</li>



<li>Osteolysen</li>



<li>Deckplatteneinbrüche</li>



<li>kyphotische Deformierung</li>



<li>paravertebrale ossäre Umbauvorgänge</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Soeben habe ich es beim erneuten Durchsehen meiner Unterlagen wieder gelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das betrifft nur den Bereich HWK3 bis BWK6. Vom Zustand meiner Halswirbelsäule, den nicht mehr vorhandenen Bandscheiben sowie dem Zustand meiner Lendenwirbelsäule und Rippen will ich gar nicht erst anfangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den ersten 20 Jahren meiner Erkrankung habe ich gelernt:<br>Schmerz? Reiß dich zusammen.<br>Erschöpfung? Stell dich nicht so an.<br>Anstatt zu lernen, mich selbst ernst zu nehmen, lernte ich, mich zu ignorieren. Der fehlende Resonanzraum (Internet) über Jahrzehnte hinweg trug sehr viel dazu bei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und selbst heute, in diesen Jahren, in denen ich ans Haus gebunden bin und kaum noch zu etwas fähig, versuche ich mich mit Medikamenten in einer Weise „zuzudröhnen“, die die Illusion aufrechterhält, ich wäre gesund.<br>Erst seit wenigen Jahren arbeite ich bewusst daran, diesen Zustand aus Illusion und Leugnung aufzuheben. Daher auch die Webseite. Daher auch meine Offenheit mit über 50.<br>Doch es ist schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man sollte glauben, wenn man vor Schmerz beinahe zerbricht, müsste einem automatisch bewusst sein, wie krank man ist.<br>Nein.<br>Nicht, wenn man jahrzehntelang gezwungen war, genau diesen Schmerz zu ignorieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst in meiner Familie war ich die Simulantin. Mein Vater, selbst in der Medizin tätig, war nicht in der Lage, seine eigene Tochter als Schmerzpatientin wahrzunehmen. Es war zu nah, zu privat, zu persönlich.<br>Selbst als ich endlich objektive Befunde in den Händen hielt – ich war längst erwachsen – wischte er sie zähneknirschend beiseite. Für ihn stand bereits in meiner Jugend fest, dass ich mich nur vor häuslicher Arbeit drücken wollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war und blieb für ihn eine Simulantin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht habe ich das irgendwo schon einmal offenbart. Und ich werde es wieder tun. So lange, bis ich es endlich selbst begreife:<br>Ich bin KEINE Simulantin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin 58 Jahre alt und ich muss noch immer daran arbeiten, mich selbst ernst zu nehmen.<br>Das geschieht, wenn den eigenen Kindern Lüge unterstellt wird, kaum dass sie von Schmerz oder anderen Problemen berichten. Wenn man sie nicht ernst nimmt. Wenn Mediziner einstimmen. Und wenn die Gesellschaft es ohnehin tut.<br>Wenn das Wort „Simulantin“ sich so tief einprägt, als wäre es der eigene Vorname, mit dem man ein Leben lang gerufen wird, dann haben unzählige Menschen, Institutionen und Systeme versagt.<a href="https://sapho-crmo-syndrom.de/wp-admin/post.php?post=745&amp;action=edit"></a></p>
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