Musk und Gaming

Ein Verhalten, das auf den ersten Blick wie bloßes „Lügen“ wirkt, ist manchmal ein Fenster in eine völlig andere Realität. Genau das vermute ich bei Elon Musk, als er in der Gaming-Angelegenheit betrogen und gelogen hat.

Mittlerweile ist bekannt geworden, dass Musk dafür gezahlt hat, seinen Char in zwei Spielen hochzocken zu lassen. Er hatte von diesen Spielen, mit denen er sich in einer fast schon größenwahnsinnigen Manier dargestellt hat, keine Ahnung. Er spielt wie ein Kind, zieht Items mit der Maus, läuft mit der Maus und macht Fehler, die jedem auffallen, der auch nur im Ansatz in die Gamingszene reingeschnuppert hat. Ich selbst habe viele Jahre Aion gezockt und habe mit offenem Mund zugeschaut, wie unfähig sich Musk im Spiel bewegt hat.

Ich frage mich, wieso es Musk so wichtig war, sich ausgerechnet als Spitzen-Multiplayer darzustellen. Vielleicht – so meine ganz persönliche Analyse – zeigt das ein Muster, dem er bereits sein ganzes Leben gefolgt ist. Damit meine ich nicht die narzisstische Darstellung und den Drang, immer und in allem der Beste zu sein. Ich meine damit viel mehr, dass er das ganze Leben wirklich als ein Spiel begreift.

Ihm ist es wichtig, der Welt immer wieder zu vermitteln, wie große Risiken er in seinem Leben eingegangen ist. Weiß er überhaupt, was ein Risiko ist? Er ist niemals wirklich gefallen, selbst wenn er sein Vermögen verloren hat. Es ist für ihn wie in einem Spiel, in dem man am Obelisk wieder aufstehen kann, wenn man stirbt. Andere Menschen scheinen für ihn zu sein wie Spielfiguren, die man massenhaft kündigt (wie im Spiel massenhaft vernichtet), um ans Ziel zu kommen. Er sucht sich die Mitspieler danach aus, was sie können, leisten und wozu sie ihm verhelfen. Sein eigener Erfolg hängt von dem Können anderer ab. Wie im Spiel, wo man seine Gruppe und Legion entsprechend zusammenstellt.

Musk ist in einem sehr wohlhabenden Umfeld aufgewachsen. Schon in jungen Jahren war er finanziell abgesichert. Scheitern bedeutet für ihn kein existenzielles Scheitern, sondern maximal: „Ups, neues Level starten“. Diese Erfahrung prägt. Sie kann eine Art Realitätsverschiebung verursachen: Ich bin unbesiegbar. Ich bin der Held in meinem eigenen Spiel. Die Regeln gelten nicht für mich.

Ich glaube, diese Gaming-Angelegenheit war für ihn eine unbewusste Verschmelzung von Realität und Fantasie. Wenn du so oft die Erfahrung machst, dass andere für dich Dinge erreichen und du trotzdem das Lob kassierst, dann verschwimmen irgendwann die Grenzen. Er fühlt sich im realen Leben vielleicht wirklich wie der „Top Player“, weil er das Geld für den höchsten Rang „ausgegeben“ hat, so wie andere sich ein Schwert im Spiel kaufen. Und zack, ist er der Held. In seinem Kopf ist das stimmig.

Dieses Verhalten ist mehr als nur narzisstische Selbstinszenierung – es ist eine tief verinnerlichte Lebenshaltung. Für Elon Musk ist das Leben kein empfindliches Geflecht aus Beziehungen, Konsequenzen und Verantwortung. Es ist ein Strategiespiel mit wechselnden Rollen, austauschbaren Spielfiguren und unendlichem Leben. Wer fällt, steht einfach wieder auf – mit neuen Items, neuen Partnern, neuen Projekten.

Dass er selbst nicht mehr zwischen Highscore und Realität unterscheidet, mag für ihn selbst stimmig sein. Für uns jedoch wirft es eine drängende Frage auf:

Was geschieht mit einer Welt, in der die einflussreichsten Akteure die Realität behandeln wie ein Spiel – und dabei echte Menschen, echte Folgen und echte Verantwortung ignorieren?

Nachwort zum Beitragsfoto:

Ich bin ein Fan von KI Bildern geworden. Wie man sieht, hat die KI auch einen sehr großen Spaß daran. Als sie mir humorvoll dieses Bild für meinen Artikel erstellt hat, musste ich derart lachen, dass für mich feststand: Ja, das muss ich den Leuten zeigen.

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