In einem Artikel fand ich die Tage folgende Aussage: „Warum das Scrollen auf dem Handy direkt nach dem Aufwachen Angstzustände und Stress verstärken kann“

Diese Erfahrung mache ich derzeit sehr bewusst, da ich darauf achte, mein Nervensystem möglichst ruhig zu halten und dem Körper Entspannung zu ermöglichen. Ein einziges kurzes Scrollen durch X, ehemals Twitter, genügt oft, damit das Nervensystem „heiß läuft“, wie ich es nenne. Das Herz schlägt schneller, innere Unruhe entsteht und man spürt deutlich Stress.
Hinzu kommt die Unvorhersehbarkeit. Man weiß nie, was der nächste Beitrag zeigt. Gewalt? Krieg? Oder gar Tierleid und Misshandlung? Schnelles Weiterscrollen hilft dabei kaum, denn das Gehirn erfasst Inhalte innerhalb von Sekundenbruchteilen. Bei mir führt das momentan dazu, dass das Herz regelrecht einen Satz nach vorne macht und anschließend zu rasen beginnt. Zurück bleiben diffuse Ängste und ein Gefühl innerer Alarmierung.
Nie zuvor war ich so dankbar für Triggerwarnungen, wie diese hier:

Die Wirkung von Warnhinweisen vor belastenden Inhalten wird derzeit wissenschaftlich diskutiert. Dabei steht unter anderem die Frage im Raum, ob solche Hinweise nicht selbst zusätzliche Anspannung erzeugen. Das mag auf manche Menschen zutreffen. Möglicherweise wird dabei jedoch auch „Anspannung“ mit „Aufregung“ verwechselt – vergleichbar mit der Aufregung vor einer Überraschung oder einem unerwarteten Ereignis.
Für traumatisierte Menschen können solche Warnungen hingegen ausgesprochen sinnvoll sein. Die oben dargestellte Warnung bezog sich auf Suizid und Selbstverletzung. Beides betrifft mich persönlich nicht. Ich weiß jedoch, dass Gewaltdarstellungen mein autonomes Nervensystem aktivieren, noch bevor die bewusste Verarbeitung überhaupt begonnen hat.
Die körperliche Reaktion kommt zuerst.
Nicht der Gedanke. Nicht die Bewertung. Nicht das Grübeln.
Sondern:
Bild → Herz macht einen Satz → Alarm.
Genau deshalb meide ich solche Beiträge und klicke sie nicht an. Auf X sind die Möglichkeiten zur Selbstfürsorge jedoch begrenzt. Allein das Wissen, dass hinter jedem Beitrag potenziell ein weiterer Alarmreiz lauern kann, führt bei mir dazu, soziale Medien zunehmend zu meiden.
X lebt strukturell von Erregung. Mein Eindruck ist jedoch, dass das menschliche Nervensystem nicht dafür geschaffen wurde, innerhalb weniger Minuten mit Dutzenden Bildern von Gewalt, Tierleid, Krieg, Hass, Empörung und Katastrophen konfrontiert zu werden.
Interessanterweise sind es nicht nur Gewaltdarstellungen, die mich stressen. Selbst lustige Videos von Comedians können – zumindest in der ersten Stunde nach dem Aufwachen – eine spürbare Aktivierung auslösen. Das Gegenteil von Stress ist nicht zwangsläufig Unterhaltung. Es ist auch nicht die emotionale Reaktion, der schnelle Szenenwechsel oder die Lautstärke.
Das Gegenteil von Stress ist Sicherheit.
Und Sicherheit finde ich momentan vor allem in der Natur, in der Stille und in der Vorhersagbarkeit.
Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass Naturkontakt, Naturgeräusche und ruhige Umgebungen Stressmarker senken und die Erholung des autonomen Nervensystems unterstützen können.
In den vergangenen Tagen gab es Momente, in denen ich trotz des erlebten Schocks und aller Ängste plötzlich dachte:
„Das Leben trägt Farbe.“
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen bloßer Ablenkung und echter Beruhigung.









