Ich habe hier bereits zum Ausdruck gebracht, dass mich die Psychiatrie im positiven Sinne überrascht hat. Die Tage bekam ich das Abschlussschreiben und bin erneut überrascht. Dass eine Psychiatrie in wenigen Wochen erkennt, dass ich an einer „PTBS mit dissoziativen Zuständen“ leide, ist ungewöhnlich. Ich habe in dieser Institution niemals über meine bisherigen Diagnosen gesprochen, und selbst wenn ich es getan hätte – nur mal angenommen –, ist es eher ungewöhnlich für eine Psychiatrie, etwas anderes als Angststörungen, depressive Episoden oder von mir aus auch bipolare Störungen etc. diagnostisch festzuhalten.
Vielleicht, so habe ich überlegt, hat sich diese eine Psychiatrie aufgrund der jungen und weiblichen Chefärztin und Oberärztin dynamisch entwickeln können. Unzählige andere bleiben im männlich-toxischen Macht-Domizil verankert – sicher noch die kommenden Jahrzehnte.
Wie geht es mir aktuell?
Ich glaube sagen zu können, dass es mir gut geht. Alles, was ich mir in der Klinikzeit vorgenommen habe, habe ich bis jetzt umsetzen können. Vieles ist aktuell in Arbeit, und zwar ganzheitlich. Nicht nur einzelne Baustellen, vielmehr bin ich dabei, den gesamten Brandherd auszulöschen. Und es ist noch lange nicht vorbei!
Was hatte ich für eine Angst davor, dass sich innerhalb weniger Tage wieder diese Blindheit entwickeln könnte, die mich in eine Zeit zurückwirft, die fast nur noch aus körperlichen und seelischen Verletzungen bestand. Schaue ich heute mit offenen Augen zurück, fühlt es sich fast surreal an. Allein diese vollgekritzelten Zettel in der Klinik zeigen mir, wie „durch“ ich war. Ich habe sie ja nicht ruhig am Tisch sitzend geschrieben, sondern gekrümmt, um Luft ringend, gerade so, als könnte ich mit dem Gekritzel endlich aus dem Zustand herauskommen.
Jahrzehntelang war ich kein Opfer mehr. Ich habe bereits vor Jahrzehnten den Opferkreislauf verlassen. War autonom und lebte ein selbstbestimmtes Leben. In den letzten drei Jahren wurde ich es im realen Leben doch wieder: ein Opfer!
Ja, es geht mir im Moment gut, täglich werde ich stabiler.
Ich bin die Tage sogar mit meiner Familie verreist und es war wunderschön. Wir konnten alles genießen, vor allem unsere Wertschätzung untereinander. Jeder von uns weiß, wie kostbar sie ist.
Irgendwann werden die Wunden verblassen.